Pleite von jungem Österreicher bringt Credit Suisse in Bedrängnis

8. Februar 2009, 13:18
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Level One war nach Angaben des Insolvenzverwalters "zu fast 100 Prozent fremdkapitalfinanziert"

Wien - Die Pleite der Immobilienfirma Level One des Österreichers Cevdet Caner bringt die ohnehin krisengeschüttelte Credit Suisse in zusätzlich Probleme. Der 35-jährige hat mit Hilfe der Schweizer Großbank ein Immobilienimperium aufgebaut ohne selbst über nennenswertes Eigenkapital zu verfügen, so die Neue Züricher Zeitung (NZZ) am Sonntag.

Der ehemalige Vorsitzende der sozialistischen Jugend Linz hat mittlerweile 1,5 Mrd. Euro Schulden angehäuft, sagt Insolvenzverwalter Rolf Rattunde von der Kanzlei Leonhard Westhelle. Die Credit Suisse ist die Hauptgläubigerin des Plattenbau-Imperiums. Caner begann den Aufbau seinen Immobilienreichs in Ostdeutschland im Jahr 2005. Innerhalb von nur drei Jahren stieg er mit 28.000 Wohneinheiten zu einem der größten Immobilienbesitzer auf. Level One war nach Angaben des Insolvenzverwalters "zu fast 100 Prozent fremdkapitalfinanziert".

Die Credit Suisse genehmigte Darlehen über 1,3 Mrd. Euro. Davon hält die Grossbank noch 300 Mio. Euro, nachdem ein großer Teil des Kreditportfolios verbrieft und an Investoren verkauft wurde. Weitere Gläubiger sind die Bank JP Morgan, die Royal Bank of Scotland und britische Firmen, die Anleger vertreten.

Börsengang aufgeschoben

Das Geschäftsmodell Caners schien am Anfang zu funktionieren, die Organisation der Verwaltung hielt aber mit dem schnellen Wachstum nicht Schritt. So wurde der 2007 geplante Börsengang, den ebenfalls die Credit Suisse begleitete, aufgeschoben. Den zweiten Anlauf stoppte dann die Subprime-Krise. "Die Kosten für die Beratung und Vorbereitung des Börsengangs rissen finanzielle Lücken, gleichzeitig kämpfte die Verwaltung um Oberwasser", analysiert Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma. Zudem wurde bekannt, dass Handwerkerrechnungen offenblieben, was die Konflikte mit den Gläubigerbanken verschärfte.

In den vergangenen Wochen haben 50 Objektgesellschaften beim Gericht Berlin Charlottenburg Insolvenzanträge gestellt, weitere dürften nächste Woche folgen. Die rund 200 Gesellschaften im Level-One-Imperium sind Eigentümer einzelner Immobilien, gehören aber wiederum Zwischenholdings in Jersey. Über das Vermögen der Dach-Holding in London, die Gesellschafterin der Zwischenholdings ist, wurde letzten September ein Insolvenzverfahren eröffnet.

Im Dezember musste sich Firmengründer Caner schliesslich von seiner 20 Mio. Euro teuren Villa mit sieben Schlafzimmern und Pool im Londoner Stadtteil Mayfair trennen. In einem TV-Interview schob er den Banken die Schuld zu, die wegen der Kreditkrise nervös geworden seien.

Komplizierte Firmenstruktur

Die Berliner Insolvenzverwalter kämpfen sich derweil durch die komplizierte Firmenstruktur. Die wurde so angelegt, um die Grundpfandrechts-Darlehen verbriefen und weiterverkaufen zu können. "Das war der alte Pfandbrief im neuen Gewand, angepriesen als sogenannte Asset-backed Securities", erläutert Köhler-Ma. Durch die Bündelung zahlreicher Objekte galten die Finanzprodukte als sichere Anlagen. "100 Häuslebauer gehen nicht alle gleichzeitig pleite, mindestens 95 werden die Darlehen bedienen", gibt Köhler-Ma die Philosophie der Produkte wieder. In diesem Fall gehörten sie jedoch alle zur Level One. Den Grundpfandrechts-Gläubigern, darunter sind institutionelle Investoren, stehen die laufenden Mieteinnahmen von 72 Mio. Euro im Jahr zu.

Die Pleiteverwalter müssen aber zuerst die dringendsten Reparaturen in Angriff nehmen, Fahrstühle wieder in Gang setzen und Baugerüste sichern. In den nächsten Monaten wollen sie die nötigen Investitionen planen.

"Ein Verkauf der Immobilien in einen fallenden Markt erscheint nicht sinnvoll, deshalb werden wir die Bestände zunächst weiter bewirtschaften", erklärt Köhler-Ma. Dies könne durchaus einige Jahre dauern. Der Schaden für die Gläubiger wird sich erst nach dem Verkauf beziffern lassen. (APA)

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    Ein bröckelndes Immobilienimperium bringt die Credit Suisse in Bedrängnis.

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