Erstmals Kritiker als Beobachter dabei

7. Februar 2009, 15:36
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Ischinger suchte im Vorfeld Gespräch mit Gegnern der Veranstaltung

München - Thomas Mohr ist eine kleine Sensation auf der Münchner Sicherheitskonferenz (Siko): Seit den Anfängen der Veranstaltung vor knapp einem halben Jahrhundert ist er der erste entschiedene Kritiker der Tagung, der als Beobachter eingeladen wurde. Wolfgang Ischinger, in diesem Jahr erstmals Siko-Chef, suchte gezielt das Gespräch mit Gruppen, die sich statt einer Veranstaltung zur Sicherheit eine Friedenskonferenz wünschten. Ihnen bot er an, einen Beobachter in den "Bayerischen Hof" zu schicken, um sich dort ein Bild vom Geschehen zu machen - und die Wahl fiel auf den 47-jährigen Psychoanalytiker und Diplom-Psychologen Mohr aus München.

Zwar sieht Mohr bei den einzelnen Teilnehmern keinerlei Bedarf für eine professionelle psychologische Beratung, wie er schmunzelnd sagt. Aber schließlich hätten sich ja bereits seit Freud Psychoanalytiker auch immer wieder mit gesellschaftlichen Fragen befasst, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Seine Beobachterrolle bei der Konferenz wertet Mohr als kleinen Zwischenschritt, denn eigentlich haben er und seine Mitstreiter den Traum von einer Münchner Konferenz für Frieden und Gerechtigkeit. Dass dies ein langer Weg ist, ist Mohr klar. Was ihn aber nicht mutlos werden lasse: Schließlich habe ja auch Immanuel Kant schon 1790 eine Vision von einer Art Vereinten Nationen entworfen - und dieser Weg sei bis heute noch nicht ganz am Ziel. (APA/AFP)

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