Kucera erster kanadischer Weltmeister

7. Februar 2009, 16:14
275 Postings

John Kucera verwies die Schweizer Cuche und Janka auf die Plätze. Maier Sechster, Walchhofer nach zwei Fahrten Zwölfter

Val d'Isere - John Kucera, der dem Schweizer Didier Cuche um vier Hundertstel  die zweite Goldmedaille bei der WM in Val d'Isere wegschnappte und dessen Landsmann Carlo Janka um 17 Hundertstel auf den Bronzerang verdrängte, darf sich überraschend erster kanadischer Abfahrts-Weltmeister nennen. Auch im zweiten Speedrennen, bei dem ab Startnummer 6 für das gesamte Favoritenfeld der Nebel im oberen Teil für Sichtbehinderungen sorgte, erlitten die Österreicher eine herbe Niederlage.

Maier stärkstes ÖSV-Pferd, Verwirrung um Walchhofer

Hermann Maier landete trotz vermurkster Fahrt als bester auf Rang sechs (+1,18 Sekunden), Klaus Kröll wurde Neunter und Michael Walchhofer Zwölfter. Qualifikant Christoph Gruber schied aus.

Um die Platzierung von Walchhofer gab es nach dem Rennen ein Hin und Her. Denn zunächst wurde dem ursprünglich zwölft-platzierten letzten österreichischen Abfahrts-Weltmeister (2003) ein zweiter Start gestattet. FIS-Chef-Renndirektor Günter Hujara hatte wegen starken Nebels im oberen Teil Start-Stopp angeordnet, der Startrichter ließ Walchhofer aber losfahren.

Per Helikopter ging es nochmals zum Start der "Face de Bellevarde", der Salzburger fuhr um vier Zehntel schneller als beim ersten Versuch und platzierte sich als Neunter. Zwei Stunden nach Renn-Ende entschied sich die Jury jedoch anders: Nach dem Videostudium und Abhören der Funksprüche wurde Walchhofers erste Fahrt gewertet, der Salzburger blieb Zwölfter. Der Start-Stopp sei erst gekommen war, nachdem Walchhofer bereits aus dem Starthaus gegangen war.

"Noch einmal zu fahren, das ist mir noch nie passiert. Der Start-Stopp ist überhört worden, als ich gerade rausgefahren bin. Das war ein bissel chaotisch. Wie ich herunten war, hat man mir dann gesagt, ich kann noch einmal fahren, weil es ein Juryfehler war. Da habe ich mir gedacht, ja wenn Du noch einmal eine Chance hast", schilderte Walchhofer seinen Kraftakt.

Podestplatz im richtigen Rennen

 Mit Ausnahme von Cuche (Startnummer 16) und Marco Büchel (14) auf Platz vier schaffte es kein Läufer mit einer höheren Nummer in die Spitzenräng, der 24-jährige Kucera nützte die Gunst der Stunde. Ein Weltcupsieg (2006 Super-G in Lake Louise) und ein  siebenter Rang in der Abfahrt stehen als beste Weltcup-Resultate für ihn zu Buche.

"Es ist unglaublich, das ist mein erster Podestplatz in der Abfahrt, den habe ich mir für das richtige Rennen aufgehoben. Weltmeister zu sein, ist das Größte neben Olympia", jubelte Kucera. Schwer geschlagen waren im Nebel die Co-Favoriten Bode Miller (USA/8.), Aksel Lund Svindal (NOR/12.) und der Schweizer Wengen- und Kitzbühel-Sieger Didier Defago, der spektakulär stürzte. Insgesamt zehn Ausfälle gab es, nur 28 Läufer kamen in die Wertung.

Maier unsauber

Hermann Maier erwischte mit der eigentlich idealen Startnummer eins  eine zu unsaubere Fahrt. "Eine Medaille wäre drinnen gewesen, aber ich wollte ein bisschen zu viel. Meine Fahrt war nicht schlecht, aber unsauber, man ist mit den Gedanken immer ein bisschen zu weit vorne", sagte der Flachauer nach dem besten Abfahrtsergebnis der Saison. "Unten hatte ich einen groben Schnitzer, da habe ich viel Zeit verloren. Der obere Teil war in Ordnung, doch das Rennen wird im unteren entschieden", wusste er.

Klaus Kröll, der bis zur zweiten Zwischenzeit voran gelegen war, haderte mit seiner Kurvenleistung. "Es war nicht so schlecht, aber ich habe ein Manko in den technisch anspruchsvollen Kurven. Der Grundspeed wäre gewaltig. Aber ich kann den hier leider nur teilweise ausspielen." Christoph Gruber, der es über die Qualifikation ins WM-Abfahrtaufgebot geschafft hatte, schied aus. "Mich hat es in der Kompression ausgehoben, dann bin ich abgeflogen und hatte keine Chance. Ich spüre die Kniekehle, aber es ist sicher nichts gerissen."

"Groß" war die Enttäuschung natürlich bei ÖSV-Alpinchef Hans Pum, warten die Österreicher nun doch bereits seit 2003 auf WM-Gold in der Abfahrt. "Wir haben schon mit einer Medaille gerechnet, wir haben eine starke Mannschaft. Es gibt aber viele Favoriten, und wir sind besser, als das Ergebnis besagt." Es sei schade, dass Maier und Gruber die niedrigen Nummern nicht nutzen konnten.  (APA/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Und am Felsen dann links rein...
    John Kucera auf steilem Weg zum Sieg in der WM-Abfahrt

     

Share if you care.