Linzer Weihbischof glaubt an Behandlung von Homosexualität

7. Februar 2009, 14:23
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Wagner zur Kritik an ihm: '"Das prallt an mir ab" - Sei als Weihbischof nicht so wichtig - Kritik an Wagner kommt auch von Katholischer Aktion und Propst Fürnsinn

Wien - Unbeeindruckt von den Angriffen auf ihn zeigt sich der neue Linzer Weihbischof Gerhard Maria Wagner im "Kurier"-Interview (Samstag-Ausgabe). "Das prallt an mir ab", sagt er. Er bekomme täglich "50 Briefe und 70 Mails von Menschen, die sich freuen und mich ermutigen", nur "ganz wenige" würden ihn "beschimpfen".

Außerdem sei er "als Weihbischof nicht so wichtig, wie man jetzt tut. Also muss man sich vor mich auch gar nicht so fürchten." Die "Meinung der Welt" und seine Position würden halt "chrashen". Dass man ihn deshalb persönlich angreift, versteht Wagner nicht. Seine Ernennung zum Bischof hätte er auch ablehnen können, "aber wenn der Papst es wünscht, wäre es feig, sich aus dem Staub zu machen, nur weil man die öffentliche Meinung fürchtet".

Keine Angst vor der Zukunft der Kirche

Dass Menschen auch seinetwegen aus der Kirche austreten, tut Wagner leid. Aber um die Zukunft der Kirche hat er keine Angst: "Vielleicht müssen wir erst wieder eine kleine Gruppe werden, um dann stärker hinaus zu wirken. Und dann werden die Wenigen mehr bewegen als die Vielen, die sich nicht bewegen."

Behandlung Homosexueller

In einem "profil"-Interview tritt Wagner - laut Vorausmeldung vom Samstag - für eine Behandlung Homosexueller ein. Auf die Frage, ob Homosexualität heilbar sei und Homosexuelle behandelt werden sollten, antwortete er: "Dafür gibt es genügend Beispiele, nur davon spricht man nicht."

Katholische Aktion kritisiert Bestellung Wagners

Die Bestellung Gerhard Maria Wagners zum Weihbischof von Linz hat in der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ) eine "große Betroffenheit" ausgelöst. "Die Entscheidung von Rom ist für uns nicht nachvollziehbar", erklärte Präsidentin Luitgard Derschmidt am Freitag. Zwar kenne sie Wagner nicht persönlich, es seien jedoch Äußerungen bekannt, die sie bekümmerten und die aufgrund der Theologie nicht nachvollziehbar seien.

"Es bedrückt mich, dass die österreichische Kirche in Rom offenbar viel schlechter dargestellt wird, als sie ist. Ich erlebe die österreichische Kirche als sehr lebendig. Laien fühlen sich durch die Entscheidung vor den Kopf gestoßen.", so Derschmidt. "Ein Bischof ist ein Brückenbauer, kein Spalter - das ist die Aufgabe eines Bischofs. Konflikte zu suchen, das ist für einen Bischof nicht angemessen", stellte die Präsidentin der KAÖ außerdem fest.

Fürnsinn kritisiert Ernennung

Der Propst des Stiftes Herzogenburg, Maximilian Fürnsinn, kritisiert die Ernennung des neuen Linzer Weihbischofs Gerhard Maria Wagner. "Grundsätzlich ist es nicht sehr sinnvoll, wenn Menschen in solche Ämter berufen werden, die wieder eine gewisse Spaltung oder ein Auseinanderdriften in einer Diözese erzeugen", sagte er in der Serie "Im Gespräch" in der ORF-Nachrichtensendung "Niederösterreich heute".

Fürnsinn sieht Parallelen zu früheren Vorgängen in der Diözese St. Pölten: "Wir wissen, dass dadurch unglaubliche Entwicklungspotenziale für die Kirche verlorengegangen sind." Der Propst warnte "Im Gespräch" überdies vor rechten Strömungen in der Kirche. Er sehe Verbindungen zur Politik: "Hier schließt sich schon ein gewisser Kreis, dass rechte Gruppen in der Kirche auch immer eine sehr gute Berührung zum rechten Rand in der Politik haben. Das muss man nüchtern sehen. Ich halte das für ein Problem." (APA)

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