Über 100 Tote bei Buschbränden

8. Februar 2009, 21:59
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In Australien wüteten die schlimmsten Brände seit der europäischen Besiedlung - Ursache für die Heftigkeit könnte der Klimawandel sein

Sydney - "Die Hölle, mit ihrer ganzen Wut, hat heute die Menschen von Victoria heimgesucht", fasste Premierminister Kevin Rudd die Situation am Sonntag zusammen. Die Brände seien „die schlimmsten seit der europäischen Besiedlung Australiens" vor 221 Jahren. Bis Sonntagabend sind mindestens 108 Menschen ums Leben gekommen, über 700 Häuser brannten bis auf die Grundmauern ab. Diese Zahlen dürften aber noch deutlich steigen. Mindestens zwei Dörfer wurden komplett vernichtet, andere sind von der Umwelt abgeschnitten.

Angefacht von Windgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern und außergewöhnlich hohen Temperaturen von bis zu 47 Grad, wurde die Region nördlich von Melbourne im Verlauf des Tages zu einem flammenden Inferno. Betroffen sind unter anderem bekannte Tourismusgebiete wie Gippsland, die Grampians, die Goldstadt Bendigo und das La Trobe Valley. Die Regierung rief schon am Samstag den Notstand aus. Mindestens 3000 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Einige verloren ihr eigenes Haus, andere beklagten den Tod von Verwandten.

Wo die Feuer gelöscht werden konnten, bot sich den Rettungsmannschaften ein schreckliches Bild. In verkohlten Fahrzeugen fanden sie die Leichen von Familien, die versucht hatten, zu fliehen. „Ich sah in einem verbrannten Auto eine Frau, die auf dem Beifahrersitz ihr Familiensilber liegen hatte", so ein Feuerwehrmann. In den Flammen starben auch hunderttausende Tiere.

Auch wenn die Behörden für die Nacht auf Montag mit niedrigeren Temperaturen rechneten, ist die Gefahr nicht gebannt. Mehrere Brände waren Sonntagabend noch außer Kontrolle. Außerdem sind die Wiesen und Wälder durch die Dürre der letzten Wochen ausgetrocknet.

Wie in Victoria sollen auch im Bundesstaat New South Wales Brände vorsätzlich entfacht worden sein. Die Polizei hat angekündigt, Brandstifter mit „aller Härte zu verfolgen". In Australien kann Brandstiftung mit bis zu 14 Jahren Gefängnis bestraft werden.

Am Sonntag warnte der Chef der Grünen Partei, Bob Brown, Australien müsse als Folge des Klimawandels mit bis zu 50 Prozent mehr Feuerereignissen rechnen. Zwar gehören Buschfeuer zum natürlichen Ablauf in Australien. Für viele Forscher ist aber klar, dass der Klimawandel die Intensität der Brände verstärkt. Am Sonntag warnte ein Klimatologe, extreme Hitze und extreme Feuergefahr würden künftig eher die Norm sein, nicht die Ausnahme.

Während im Süden des Kontinents die Flammen wüten, leiden mehrere Gemeinden im Nordosten Australiens unter Überschwemmungen. In Queensland wurde der Notstand ausgerufen. Im Daintree-Regenwald wurde ein fünfjähriges Kind vermutlich von einem Krokodil getötet. Es war seinem Hund gefolgt, der in einem Fluss schwamm.  (Urs Wälterlin aus Canberra/DER STANDARD, Printausgabe, 9.2.2009/red)

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    Extreme Hitze löste zahlreiche Feuer in Australien aus

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