Williamson will Holocaustleugnung nicht widerrufen

7. Februar 2009, 14:00
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Antisemitischer Bischof will zunächst historische Beweise prüfen

Hamburg - Im Streit um die Zurücknahme der Exkommunikation der erzkonservativen Piusbruderschaft hat sich jetzt erstmals der umstrittene Holocaust-Leugner Richard Williamson selbst zu Wort gemeldet. Der Brite will seine Thesen zum Mord an den Juden vorerst nicht widerrufen, sagte er in einem Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Er wolle zunächst die historischen Beweise prüfen: "Und wenn ich diese Beweise finde, dann werde ich mich korrigieren. Aber das wird Zeit brauchen", sagte Williamson.

"Ich muss nun alles nochmals prüfen und mir die Beweise ansehen", sagte Williamson. Er habe nicht absichtlich etwas Unwahres gesagt. "Ich war aufgrund meiner Recherchen in den 80er Jahren von der Richtigkeit meiner Äußerungen überzeugt", sagte Willamson.

Williamson in Argentinien

Williamson lebt in Argentinien in einem Priesterseminar in La Reja, etwa 50 Kilometer von der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires entfernt. Er hatte nach dem Eklat um seine Wiederaufnahme in die Kirche durch Papst Benedikt XVI. bisher jeden Kontakt mit der Presse verweigert. In dem Interview mit dem "Spiegel" erneuerte Williamson seine Kritik am Zweiten Vatikanischen Konzil. Die Konzilstexte seien zweideutig: "Das führt zu diesem theologischen Chaos, das wir heute haben." Kritisch steht Williamson zu den universellen Menschenrechten: "Wo die Menschenrechte als eine objektive Ordnung verstanden werden, die der Staat durchsetzen soll, da kommt es immer zu einer antichristlichen Politik."

Leugnete in einem Interview die Existenz von Gaskammern

In einem Fernsehinterview hatte der Brite vor mehreren Wochen gesagt, historische Fakten sprächen gegen die Existenz von Gaskammern. Es seien nicht sechs Millionen Juden von den Nazis ermordet worden, sondern 200.000 bis 300.000 - aber keiner von ihnen in Gaskammern. Im "Spiegel" meinte er jetzt dazu: "Ein einziges Interview im schwedischen Fernsehen ist nun seit Wochen ein Hauptthema in Deutschland. Ja, das wundert mich schon. Ist das bei allen Gesetzesverletzungen in Deutschland so? Wohl kaum. Nein, ich bin hier nur das Werkzeug, damit gegen die Priesterbruderschaft und den Papst agiert werden kann. Offenbar hat der deutsche Linkskatholizismus es Ratzinger noch nicht verziehen, dass er Papst geworden ist."

Mehr Kirchenaustritte

Unterdessen berichten Theologen und Medien von Austritten deutscher Katholiken aus Empörung über das Handeln des Vatikan. Laut "Spiegel" hätten allein beim Amtsgericht Krefeld in diesem Jahr schon 72 Katholiken ihren Austritt erklärt. "Die Austrittswelle hat bereits eingesetzt", sagte auch Pater Eberhard von Gemmingen, Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, der "Passauer Neuen Presse" (Samstag). Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Papst und den deutschen Katholiken ist seiner Ansicht nach "ein wenig lädiert".

Der geplante Papstbesuch in Deutschland im kommenden Jahr könne diese Situation möglicherweise verbessern. "Es schmerzt, wenn man sieht, dass viele Menschen Rom und den Papst nicht mehr verstehen", sagte der Vatikan-Experte. Gleichzeitig äußerte von Gemmingen Skepsis, ob der Papst seine geplante Israel-Reise antreten werde: "Ob sie wirklich zustande kommt, ist noch sehr offen."

Zentralrat der Juden in Deutschland stellt sich hinter Merkel

Der Zentralrat der Juden in Deutschland stärkte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Rücken und verlangte von ihren Kritikern im Zusammenhang mit der Affäre eine Klarstellung. Es sei unerträglich, wie versucht werde, die Kanzlerin wegen ihrer Intervention beim Papst öffentlich zu diffamieren, sagte Generalsekretär Stephan Kramer der in Landau erscheinenden "Rheinpfalz am Sonntag". Der Generalsekretär forderte Benedikt XVI. auf, sich klar von der Piusbruderschaft zu distanzieren. Wenn der Papst konsequent handeln würde, müsste er sogar alle Piusbrüder exkommunizieren, weil sie sich gegen das Zweite Vatikanische Konzil ausgesprochen haben, sagte Kramer.

Die erzkonservative Priester-Bruderschaft Pius X. wird nach Ansicht des Päpstlichen Ehrenkaplans und Fernsehpfarrers Stephan Wahl der katholischen Kirche keinen Schritt entgegenkommen. Nachdem Papst Benedikt XVI. "einseitig" auf die Piusbruderschaft zugegangen sei, müsse die Bruderschaft jetzt auf die Kirche zugehen, sagte Wahl am Samstag in Trier in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Dies würde ein Abrücken von deren bisherigen Positionen - etwa der Ablehnung des Zweiten Vatikanischen Konzils - bedeuten. "Ich habe erhebliche Zweifel, dass das kommt", sagte der Kommunikationsdirektor des Bistums Trier. "Für mich ist es immer noch eine Gruppe, die außerhalb der Kirche steht", sagte Wahl, der in der ARD das "Wort zum Sonntag" spricht.

Auch in Österreich hinterlässt die Causa Spuren: Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, sind 60% der Österreicher gegen das exklusive Recht des Papstes, Bischöfe bestimmen zu dürfen. Nur 22% der Befragten geben laut der im Auftrag von "profil" vom Meinungsforschungsinstitut OGM durchgeführten Umfrage an, dass sie nichts gegen die päpstliche Allmacht hätten. 18% wollten sich nicht äußern, war am Wochenende einer Aussendung zu entnehmen. (APA/dpa/Reuters)

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