Innsbrucks Bischof Scheuer kritisiert Rom

7. Februar 2009, 09:41
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"Offene Fehleranalyse" gefordert - Rücknahme von Exkommunikation ohne Vorleistung sei "theologisch höchst bedenklich"

Wien/Innsbruck - Der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer fordert nach dem Eklat um die Rücknahme der Exkommunikation des Holocaust-Leugners Richard Williamson durch Papst Benedikt XVI. eine "offene Fehleranalyse". "Bei so wichtigen Fragen wie der Aufhebung einer Exkommunikation sollte man auch hiervon betroffene Bischofskonferenzen befragen. Im konkreten Fall zur Piusbruderschaft hätte man die französische und deutsche Bischofskonferenz befragen sollen. Dies wurde offensichtlich unterlassen", bemängelte Scheuer in einem Interview mit der "Tiroler Tageszeitung".

Benedikt hatte Ende Jänner die Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen Bruderschaft St. Pius X. (SSPX) - darunter der britische Holocaust-Leugner Williamson - aufgehoben. Dies hatte international zu heftigen Protesten geführt, vor allem in Deutschland. Der Vatikan forderte Williamson inzwischen auf, seine Thesen zu widerrufen.

"Theologisch höchst bedenklich"

Die vier waren von dem inzwischen verstorbenen ultrakonservativen französischen Erzbischof Marcel Lefebvre 1988 gegen den Willen des Heiligen Stuhls zu Bischöfen geweiht worden. Ein derartiger Akt zieht nach Kirchenrecht die automatische Exkommunikation nach sich. Die Lefebvrianer lehnen die vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) und in dessen Gefolge eingeführten Veränderungen in der katholischen Kirche ab.

Die Aufforderung des Vatikan an Williamson "war äußerst notwendig und sie hat auch eine gewisse Klärung gebracht", sagte Bischof Scheuer gegenüber der "Tiroler Tageszeitung". Darauf angesprochen, dass die Rücknahme der Exkommunikation ohne Vorleistung vorgenommen wurde, sagte Scheuer: "Das verstehe ich überhaupt nicht, das halte ich theologisch für höchst bedenklich. In der ersten Phase kam diese Vorgangweise einer Selbstdemontage des Lehramts gleich." Nun habe der Vatikan aber auch klargestellt, dass die Anerkennung des zweiten Vatikanischen Konzils notwendig sei.

Das Anliegen des Papstes hinsichtlich der Einheit der Kirche sei "sehr ernst zu nehmen. Allerdings ist auch die Frage des Preises zu stellen", so der Innsbrucker Bischof weiter. "Wenn die Einheit der Kirche dadurch erreicht werden soll, dass wesentliche Errungenschaften des II. Vaticanums negiert werden, so wäre dies keine Einheit, sondern eine neue Spaltung." Scheuer verwies gegenüber der Zeitung auch darauf, dass es zwischen einzelnen Repräsentanten der Piusbruderschaft "Koalitionen" mit rechtsextremen Parteien gebe. (APA)

 

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