Einfach zupacken, ohne Spaß

6. Februar 2009, 20:33
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Belad’ mich!, ruft der Logan Pickup – dem Dacia dafür robuste, altbewährte Technik mit auf den (Arbeits-)Weg gegeben hat

In allen Dacia-Testfahrzeugen in Frankreich ist der gleiche Sender (Autoradio nicht serienmäßig) eingestellt: „Radio Nostalgie“. Und das passt nicht deswegen so gut, weil der Dacia Logan Pickup und der Dacia Logan Van, die im März in Österreich eingeführt werden, schon seit längerer Zeit in den Oststaaten verkauft werden. Nostalgie passt deswegen, weil sich die Nutzfahrzeug-Logans fahren, wie man das von einem Neuwagen vor ein paar Jahren erwartet hat. Im Innenraum präsentieren die Dacias viel Plastik, das nicht einmal den Eindruck von Kunstleder erwecken will. Es geht schlicht und praktisch zu, nicht bequem und geschmeidig. Die Sitze bieten wenig Seitenhalt, das Lenkrad ist nicht verstellbar, die Spaltmaße wurden manchmal mit der Formel „Pi mal Daumen“ berechnet und wer den Beifahrer-Airbag möchte, muss in die Zubehörkiste greifen.

Das machen die Dacia-Käufer aber ohnedies gern. Mehr als 60 Prozent der in Österreich verkauften Dacias wurden mit dem zusätzlichen Ausstattungspaket Lauréate geordert. Der Kunde spart, wenn er sich für die Billigmarke Dacia entschieden hat, bei der Motorisierung. Beim im Juli 2008 eingeführten Dacia Sandero etwa wurden _97 Prozent des günstigeren Benziners gekauft, beim im März 2007 eingeführten Dacia Logan MCV waren es immerhin 76 Prozent.

Das ist erstaunlich, weil das Dieselaggregat dank der 160 Newtonmeter Drehmoment doch noch etwas beherzter von der Stelle zu bringen ist. Einen Sportwagen darf man sich aber sowieso nicht erwarten, wenn man sich für den Logan entscheidet. Der 1,4-Liter-Benziner, der nur im Dacia Logan Van erhältlich sein wird, leistet 75 PS. Der 1,6-Liter-Benziner, den es sowohl im Pickup als auch im Van gibt, 87 PS, der 1,5-Liter-Common-Rail-Diesel 68 PS. Nutzt man die mögliche Zuladung von 800 Kilogramm aus, hat man schnell den Eindruck, einen ordentlich geforderten Lastesel mit Karotten zu locken, so sehr müht sich der Motor mit dem zulässigen Gesamtgewicht von fast zwei Tonnen ab.

Der gemütliche Antritt kommt daher, weil die Motoren, die in die Dacias montiert werden, Renault-Aggregate sind, die ihre Markteinführung schon vor ein paar Jahren gefeiert hatten. Um mit niedrigen CO2-Werten bei den Kunden punkten zu können, verbaut Dacia den Dieselmotor, der maximal 140 Gramm CO2 pro Kilometer in die Atmosphäre blasen soll.

Blasen an den Händen werden vielleicht auch Markenzeichen von Dacia Logan Pickup- oder Van-Fahrern sein. Der Paradekunde für Dacia ist Kleinunternehmer oder Handwerker. Mit 2500 Liter Lade_raumvolumen schluckt der Van das gesamte Werkzeug und bietet dabei einen Boden im Laderaum, der so konzipiert ist, dass man ihn zur Reinigung einfach mit dem Schlauch abspritzen kann. Auch auf der Ladefläche des Pickups sehen die Ingenieure Schaufeln, Scheibtruhen und Bäume. 14 Zurrösen sind in die Ladefläche schon eingearbeitet. Mit der Laderaumlänge von 1807 Millimetern und einer Breite von 1374 Millimetern (1024 Millimeter zwischen den Radkästen) bringt der Dacia Logan Pickup aber auch ein Trial-Motorrad sehr unkompliziert zum Trainingsgelände und bietet dabei auch noch Platz fürs Werkzeug. Das frische Ersatzgewand lagert man einfach im freien Raum hinter den Sitzen. Nur zum Überwinden der Ladekantenhöhe von 636 Millimetern braucht man eine Rampe. Die legt man aber einfach auf die Ladeklappe, die stattliche 300 Kilogramm trägt. Die beiden neuen Logans sollen die Kurve der Zulassungsstatistik von Dacia weiterzeichnen. Die Franko-Rumänen wollen mit dem sehr günstigen Utility-Fahrzeug den Marktanteil weiter ausbauen, auch wenn die Konzernmutter das bei den Hausmarken Nissan und Renault nicht sieht.

Dacia würde sich auch freuen, wenn junge sportliche Leute mit dem Dacia zum Beispiel ihre Surfbretter an den Strand bringen würden. Das wird es vermutlich eher seltener spielen, weil bei der ganzen günstigen Nützlichkeit die Nostalgie zu groß ist, als dass beim Fahren wirklich Spaß aufkommen würde – Preis hin oder her. (Guido Gluschitsch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.2.2009)

  • Renaults Billigmarke Dacia bleibt weiter expansiv: Nun nehmen sich die Rumänen den Nutzfahrzeugsektor vor. Das erwartungsgemäß auch preislich interessante Angebot lautet ab März: Logan Pickup und Logan Van.
    foto: werk

    Renaults Billigmarke Dacia bleibt weiter expansiv: Nun nehmen sich die Rumänen den Nutzfahrzeugsektor vor. Das erwartungsgemäß auch preislich interessante Angebot lautet ab März: Logan Pickup und Logan Van.

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