Per Bastelanleitung zum Topmodel

6. Februar 2009, 19:31
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Schlechter Ton und ein vorab bekanntes Ergebnis dominierten die "Austria's Next Topmodel"-Finalparty

Wien - Die Wahrheit (vielleicht ja die über Castingshows an sich) verkündete Larissa Marolt, als der Abspann lief: "Wenn die aus mir ein Topmodel machen können", jubelte die 16-Jährige, „können sie das auch mit euch!" Sprach's - und flog mit dem Hubschrauber davon. Die Kärntnerin war da gerade - Donnerstag, 22.30 Uhr - offiziell und tränenreich zu „Austria's Next Topmodel" gekürt worden.

Weil so etwas gefeiert gehört, hatte der Sender Puls 4 Donnerstagabend zur "Public Viewing"-Party in die Wiener Secession geladen: Die Spannung des Finales der mehrwöchigen Modelsuche sollte 300 Gäste zittern lassen. Doch niemand zitterte. Nicht nur, weil der Ton laut, aber unverständlich war: Dass Marolt gewinnen würde, war lange bekannt.

Die Österreich-Siegerin ist bei Heidi Klums "Germany's Next Topmodel" Kandidatin. Die Show wird bereits gedreht: Das Austro-Finale war eine Konserve, denn Marolt ist längst bei Klum in den USA. Dort müssen die Wannabe-Topmodels „Aufgaben" lösen. Öffentlich. Bilder davon fanden diese Woche ihren Weg ins Internet. Doch, oh Wunder: Einschlägige Links, etwa auf der Homepage des Seitenblicke Magazins, verschwanden rasch. Ach ja: Das Seitenblicke Magazin und Puls 4 sind "Medienpartner".

Derartige "Partnerschaften" bewirkten, dass auch andere Bösartigkeiten nur an den Stehtischen der Sezession kommuniziert wurden: Moderatorin Lena Gercke (Siegerin der ersten deutschen Staffel) etwa wird stets "Topmodel" genannt. Ihre (nichtmedienpartnerschaftlichen) Buchungen sind etwa so spektakulär wie die Karrieren von ORF-"Starmaniacs".

Auch die, laut Puls 4, 3500 Bewerberinnen verblüfften zumindest Österreich-Modechef Adi Weiss: "Wir machen oft solche Contests und bewerben das intensiv: Mehr als 1000 Mädchen melden sich nie." In der Secession beschloss das Publikum aber, dies als Zeichen der Strahlkraft des Senders und nicht als Indiz für Zahlenakrobatik zu werten: Eine Million Menschen haben, laut Puls 4, irgendwann ein Auge auf die Models geworfen. Die nächste Staffel ist in Vorbereitung. Und wieso die nächste Casting-Siegerin auch ein „Topmodel" sein wird, hat Larissa Marolt ja selbst erklärt.  (Thomas Rottenberg/DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.2.2009)

  • Eine Jury, die kein Erbarmen kannte: Andrea Weidler, Alamande Belfor und Lena Gercke zeigten, ...
    andreas tischler

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  • ... wie viel PR, Coaching und Make-up aus Larissa ein  Topmodel machen
    jürgen hammerschmid

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