An Vorschriften lag es nicht

6. Februar 2009, 18:52
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Wenn Übungsleiter machen, was sie wollen, ist es nicht überraschend, wenn etwas passiert - Von Michael Möseneder

Wäre der Fall nicht so tragisch, müsste jetzt das Wortspiel mit dem sich lichtenden Nebel kommen. Aber die Vorgänge rund um die Massenkarambolage auf der Donauuferautobahn, bei der eine Frau starb und mehrere Menschen verletzt worden sind, sind absolut nichts für blumige Bilder, brauchen Klarheit. Die Eingeständnisse des Bundesheeres, was bei der Nachtübung alles vorschriftswidrig war, müssen im Gegenteil tief betroffen machen.

Auch wenn strafrechtlich natürlich die Unschuldsvermutung gilt - wenn Übungsleiter machen, was sie wollen, ist es nicht überraschend, wenn etwas passiert. Die Donauuferautobahn ist wohl kaum zu übersehen, und für den Unterschied zwischen 100 und 300 Meter braucht man auch kein Maßband. Das wirklich Erschütternde ist aber, dass die beiden Verantwortlichen es offenbar nicht der Mühe wert gefunden haben, einen Blick in die Benutzungsordnung des Übungsplatzes zu werfen. Dort steht, dass Nebelgranaten auf diesem Gelände verboten sind.

Beim Bundesheer nahm man am Freitag das Gros der Untergebenen in Schutz - man gehe davon aus, dass bei Übungen das Personal sachkundig ist, heißt es lapidar. Aha. Man ist sich also ziemlich sicher, dass Leute, die für die Sicherheit junger Soldaten zuständig sind, wissen, was sie machen.

Wäre es vielleicht nicht an der Zeit, die internen Regeln zu ändern? Und beispielsweise zur Pflicht machen, vor einer Übung jemanden kontaktieren zu müssen, der sich vor Ort auskennt? Andererseits: Was sollte das bringen, wenn schon die bestehenden Vorschriften ignoriert werden? (Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.2.2009)

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