Finnair-Chef über AUA: "Eine Tragödie"

6. Februar 2009, 18:27
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Finnische Fluglinie hat ähnliche Probleme wie Austrian: "Schmerzhafte Maßnahmen"

Madrid/Helsinki - Jukka Hienonen, CEO der Finnair, sieht die Entwicklung der Austrian Airlines dramatisch. "Es ist eine Tragödie zu beobachten, wie man versucht, eine Gesellschaft wie die AUA an Lufthansa zu verkaufen, wie die AUA vom Staat Geld bekommt und trotz allem nicht in der Lage ist, Gewinne zu erzielen. Diese Firma ist in größter Gefahr", sagte Hienonen am Rande eines Oneworld-Allianz- Treffens in Madrid.

Erschwerend komme hinzu, dass die Wirtschafts- und Luftfahrtkrise mittelgroßen Fluglinien wie Finnair oder Austrian Airlines nur mehr wenig Spielraum lässt. "Die Frage ist, werden in Europa drei große Fluglinien und eine zusätzliche Airline übrig bleiben? Ich glaube, es werden mehr sein, ich weiß aber nicht, ob Finnair zu diesen Gesellschaften gehören wird."

Finnair gilt mit 62 Flugzeugen für ihr Heimatland als überdimensioniert. Wie die AUA mit rund 100 Flugzeugen für Österreich. "Wir haben festgestellt, dass Fluglinien wie Lufthansa oder British Airways mit einem großen Heimmarkt von Rückgängen nicht so stark betroffen sind. Mit unserem kleinen Markt Finnland wären wir so gesehen zu groß. Aber unser Geschäft ist der Verkehr zwischen Europa und Asien." Die Strategie der AUA sind die Verbindungen zwischen West- und Osteuropa.

Hienonen, in der Luftfahrt ein beruflicher Quereinsteiger wie Ex-AUA-Chef Alfred Ötsch, hat bereits vor Beginn der Luftfahrtkrise im Frühjahr 2008 ein 50 Millionen Euro umfassendes Effizienzprogramm gestartet, das 3000 Mitarbeitern etwa Urlaubsgeldverzicht abverlangte. Zudem wurden nun die Kapazitäten um bis zu zehn Prozent reduziert.

Reicht das, um die Krise zu meistern ? "Nein. Wir werden weitere Schritte setzen müssen", zeigt er sich kompromisslos, trotz Unmutes der Belegschaft. "Wir haben keine Wahl. Schmerzhafte Maßnahmen sind unausweichlich." Hienonen musste für 2008 einen Verlust von 42 Mio. Euro verkünden, die Zahl der Passagiere reduzierte sich um 4,4 Prozent auf 8,3 Millionen 2007 war noch ein Gewinn von 101,6 Mio. Euro erwirtschaftet worden. Bleibt die Frage, ob ihm der Mehrheitseigner, der finnische Staat hält 59 Prozent, die Vorgabe auferlegt hat, dass Finnair unabhängig bleiben muss? "Dieses Thema hat hier wirklich niemanden interessiert", so Hienonen. (Kurt Hofmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 07.02.2009)

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