Bis(s) ins lustige Transsylvanien

6. Februar 2009, 18:26
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H. C. Artmanns "Dracula, Dracula"

Die Zeit, da Hörbücher einfach so in Buchhandlungen gelangen, scheint endgültig vorbei zu sein. Doch die sorgfältig produzierte, so ansprechende Genrekreuzung aus Buchkunst, Hörstück und Klang, die der Mandelbaum Verlag als "Hörbuch" -Reihe präsentiert, ist außergewöhnlich. Da gibt es natürlich den Silberling mit dem lustvoll und sehr abwechslungsreich den H. C. Artmann'schen Dracula-Text vokal auskostenden Erwin Steinhauer. Aber auch ein 32-seitiges Begleitbuch mit einem Steinhauer-In-terview und schaurig-schönen Zeichnungen Linda Wolfsgrubers. Und da gibt es vor allem die ergänzende, reflektierende musikalische Klangerzeugniskunst Peter Rosmaniths und Georg Grafs.

Sämtliche Klischees des Dracula-Mythos werden von H. C. Artmann bedient, der dieses "transsylvanische Abenteuer" um Sir Johann Adderley Bancroft selbst einst auf Band sprach. Da gibt es den Moderduft, es gibt Knarzen und Knarren, rasselndes Transsylvanisch, Särge sonder Zahl, den leichenhaften Irgor, das unschuld'ge blonde Opfer, den infernalischen Fürsten und die schaurige Nacht. Da wird reichlich parodiert und kunstvoll jongliert mit den Schröcknissen und Abscheulichkeiten im "Shangri-La allen Bösen" (Artmann). Am Ende stellt sich dann nur eine, allerdings entscheidende Frage: Wo genau hört man Artmanns Dracula? Im Auto dürfte es gefährlich sein, muss man doch konzentriert zuhören, um ja nur keine Feinheit zu verpassen. Und wann? Oh, der erste Lichtstrahl - (Alexander Kluy, DER STANDARD/Printausgabe, 07./08.02.2008)

 

H. C. Artmann, "Dracula, Dracula" . Sprecher: Erwin Steinhauer. € 24,90/42 min. Mandelbaum Verlag, Wien 2008

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