Sämtliche Arlberge sind verschwunden

6. Februar 2009, 18:16
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"Austern im Schnee und andere Sommergeschichten"

Kommen Sie als unser Gast, schreiben Sie, worüber Sie wollen, "keinerlei Vorgaben, keine Einschränkung": Das Angebot der Lech Zürs Tourismus GmbH war großzügig und mutig. Elf Autoren und ein Fotograf waren eingeladen, sich in der Ferienregion auf dem Arlberg inspirieren zu lassen, ohne dass die Resultate mit der höheren Ehre des Fremdenverkehrs zu tun haben mussten. Nicht einmal ein Thema wie die blaurote Luftmatratze gab es, die das Magazin der Süddeutschen einst seinen Beitragenden für eine Sommer-Anthologie vorgegeben hatte. So vielfältig fiel denn auch die Ernte aus, der Sammeltitel deutet es an: Austern im Schnee und andere Sommergeschichten.

Die junge, aus der Ukraine stammende Marijana Gaponenko versetzt sich in das delirierende Gemüt eines Herrn Petrov, der einen Brief über Lech als Traumtanz verfasst. Der Wirklichkeit verpflichtet ist hingegen Michael Köhlmeier, er preist die Absichtslosigkeit ungeplanter Tage im Hotel und streift nebenbei, wie die Idee zum alljährlichen Philosophicum zustande kam. Kriminelles Potenzial in Lecher Luxushotels lotet Kurt Bracharz aus, und Egyd Gstättner lässt sogar Gäste auf dem Sessellift erfrieren und "sämtliche Arlberge" hinterm Schnee verschwinden. Die Tourismus-Verantwortlichen haben's ungerührt drucken lassen (ein schönes Büchlein übrigens, in schneeblauem Leinen) und durch die lakonischen, sich nicht anbiedernden Fotos von Gerhard Klocker ergänzt. Die Kombination lohnt sehr. (Michael Freund, DER STANDARD/Printausgabe, 07./08.02.2008)

 

Daniela Egger (Hg.), "Austern im Schnee und andere Sommergeschichten" . € 22,- / 366 Seiten. Bucher Verlag, Hohenems Wien 2008

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