Österreichs Exporte wachsen real: Null

6. Februar 2009, 18:09
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Inflation frisst Zuwachs - Deutsche Industrieproduktion geht historisch stark zurück

Wien - Die heimischen Wirtschaftsforscher von Wifo, IHS und Nationalbank gingen bei ihren Prognosen knapp vor dem Jahreswechsel noch davon aus, dass die Exporte im Vorjahr trotz Krise zwischen - inflationsbereinigt - 2,5 bis 3,6 Prozent gewachsen sind.

Sieht man sich die jüngsten Zahlen von Statistik Austria an, darf aber selbst dies bezweifelt werden: Anhand vorläufiger Ergebnisse lag der Gesamtwert der Ausfuhren aus Österreich von Jänner bis November 2008 bei 109,75 Mrd. Euro, ein nominelles Plus von 3,2 Prozent.

Dies ist aber genau die Höhe der Jahresinflationsrate, womit real eine Stagnation der Exporte zu verzeichnen wäre. Die Ausfuhren waren in den Vorjahren der Konjunkturmotor Österreichs. Es ist zu erwarten, dass die Steigerungsrate im Dezember, als die Finanzkrise voll auf die Realwirtschaft durchgeschlagen hatte, weiter absinkt.

Sieht man sich weiters den Zustand des wichtigsten Abnehmers österreichischer Produkte, die deutsche Industrie an, wird das Bild noch düsterere: Deutsche Industrie-, Bau- und Energieunternehmen stellten 4,6 Prozent weniger her als im Vormonat. Das ist der stärkste Rückgang seit Beginn der gesamtdeutschen Statistik 1991 und bereits der vierte in Folge. Besonders Autobauer und ihre Zulieferer waren wegen der weltweiten Absatzkrise auf die Produktionsbremse getreten, hatten wie berichtet Kurzarbeit eingeführt und die Weihnachtsferien verlängert.

Angesichts der Misere in der Industrie erwartet die Bundesregierung für das zurückliegende vierte Quartal den schwersten Konjunktureinbruch seit der Wiedervereinigung. Das Bruttoinlandsprodukt sei um etwa 1,75 Prozent im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft, so Regierungskreise. "Es können auch zwei Prozent werden", hieß es.

Eine erste Schätzung veröffentlicht das Statistische Bundesamt am kommenden Freitag. Wegen der starken Abwärtsdynamik könne das laufende erste Quartal sogar noch schlechter ausfallen. "Die Zahlen lassen überhaupt keinen Zweifel daran, dass sich die Industrie in der tiefsten Rezession seit Bestehen der Bundesrepublik befindet", so Experten.

Jobabbau bei Voith

Am Freitag kamen weitere Hiobsbotschaften für Industriearbeiter: Der Anlagenbauer Voith will weltweit 900 Stellen abbauen, offen ist, wie Voith Paper in St. Pölten betroffen sein wird. Der Halbleiter-Konzern Infineon verlor im Vorjahr 404 Mio. Euro und schließt den Abbau weiterer Stellen nicht aus. Bei Infineon Österreich werde derzeit Kurzarbeit vorbereitet, der bereits berichtete Abbau von 300 Jobs sei abgeschlossen, heißt es aus Klagenfurt. (szem, ung, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 07.02.2009)

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