Contra: Negative Auslese

6. Februar 2009, 17:55
117 Postings

Mit Höchstbeträgen für Manager-Gehälter bekommt man nicht die Besten, meint Conrad Seidl

Was ist eigentlich die wichtigste Überlegung, aus der heraus Banken und anderen Unternehmen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten staatliche Hilfe gegeben wird? Doch wohl, dass diese Unternehmen die Krise gut überstehen und die ihnen zur Verfügung gestellten Steuergelder gut verzinst zurückzahlen können.

Dieses Ziel scheint aber den Populisten, die sich nun auch zu wirtschaftspolitischer Expertise berufen sehen, aus den Augen geraten zu sein. In den vergangenen Tagen konnte man den Eindruck gewinnen, dass es jetzt vor allem darum ginge, die Kaste der Manager dafür zu bestrafen, dass es zu der jetzigen Krise gekommen ist. Also werden ihnen die hohen Gagen angekreidet und eine gesetzliche Deckelung ihrer Bezüge und eine Streichung von Bonuszahlungen gefordert - zumindest dann, wenn der Staat den jeweiligen Unternehmen aus der Patsche hilft.

Mit dieser Ansage lassen sich natürlich die Neidgefühle jener schüren, die selber nie in die Verlegenheit kommen werden, Einkommen in vergleichbarer Höhe zu beziehen. Nur gewinnt man damit eben leider nicht die besten Manager. Diese gehen nämlich gerne dorthin, wo ihnen für Spitzenleistungen auch Spitzengagen gezahlt werden. Und wo ihnen von den Politikern möglichst wenig dreingeredet wird, wie sie ihr Unternehmen im Detail führen sollen. Man bekommt allenfalls die zweite Wahl. Aber das ist den meisten Politikern nicht bewusst. Wie auch? Sie beschränken seit Jahr und Tag ihre eigenen Einkommen. Dass dies eine negative Auslese bewirkt hat, können sie wohl kaum zugeben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8.2.2009)

Share if you care.