Journalismus-Föderation gegen Nachrichtensperre

6. Februar 2009, 17:54
posten

Generalsekretär White: "Keine selbstverhängte Zensur wird die kranke Politik Somalias heilen" - Kritik an UNO-Sondergesandten

Die Internationale Journalismus-Föderation (IFJ) warnt den UNO-Sonderbeauftragten Ahmed Ould Abdallh in Somalia davor, sich für eine Nachrichtensperre einzusetzen. Dieser Vorschlag sei eine "unüberlegte und kontraproduktive" Antwort auf die Krise der Medien in dem Land, heißt es in einer Aussendung des IFJ vom Freitag.

"Wir lehnen diesen Schritt ab, weil er nicht funktionieren und die Situation für Journalisten nur schlechter machen wird", sagte Aidan White, Generalsekretär des IFJ. Der internationale Dachverband gewerkschaftlicher Journalistenverbände sei sich zwar darüber im Klaren, das sich Abdallh des Drucks und der Drohungen, denen Journalisten ausgesetzt sind, bewusst sei. Den Informationsfluss zu unterbrechen würde jedoch nur den Feinden der Pressefreiheit in die Hände spielen. Den Kollegen sei damit nicht geholfen, so White.

"Keine selbstverhängte Zensur wird die kranke Politik Somalias heilen"

"Es stimmt, dass somalische Kriminelle ausländische Journalisten kidnappen und lokale Medienleute terrorisieren", sagte White. Aber ein Aussetzen der Nachrichten würde nur die Kriminellen decken und das einzige Fenster des Landes zur Welt für diejenigen schließen, die von Somalia und dessen Krise und humanitären Nöten berichten, so der Generalsekretär. "Keine selbstverhängte Zensur wird die kranke Politik Somalias heilen", so White.

UNO-Sonderbeauftragter Abdallh hatte zuvor eine einmonatige Sperre gefordert, bis sichergestellt werden könnte, dass die Informationen aus Somalia richtig und fehlerfrei sind, so die Aussendung des IFJ. Er befürchte, dass die wenigen ausländischen Journalisten, die sich in Somalia befinden, Opfer von manipulierten Nachrichten der politischen Kräfte im Land werden könnten.

IFJ hat die neue somalische Regierung dazu aufgefordert, kriminelle Gangs in Zaum zu halten, die Medien terrorisieren. Seit Anfang dieses Jahres sind bereits zwei Journalisten in Somalia ermordet worden. Die Journalistenorganisation "Reporter ohne Grenzen" (RSF) stuft Somalia als das nach dem Irak gefährlichste Land für die Arbeit von Journalisten ein. (APA)

 

 

Share if you care.