Pro: Grenzen für die Gier

6. Februar 2009, 17:45
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Die Chefetagen sollten ein Zeichen setzen, meint Gerald John

Die Löhne fallen, die Arbeitslosenraten steigen. Unternehmen kollabieren, Pensionskassen krachen. Kurz: Die weltweite Finanzkrise trifft alle.

Alle? Amerikanische Wertpapiermanager, an der Misere beteiligt, kassieren fürs Vorjahr Bonuszahlungen in Milliardenhöhe. Nicht nur der US-Präsident findet das "beschämend" , auch Österreichs Politiker schrecken auf. Sie wollen die Spitzengehälter in jenen Unternehmen beschränken, denen der Staat unter die Arme greift. Und zwar zu Recht.

Die Steuerzahler spielen derzeit Feuerwehr. Mit Milliarden haften sie für Banken, Millionen fließen in bedürftige Unternehmen. Es liegt im allgemeinen Interesse, dass das Geld effizient eingesetzt wird - und nicht für übertriebene Saläre von Konzernchefs, die im globalen Kasino leichtfertig mitgezockt oder ihre Firmen herabgewirtschaftet haben.

Aber hat Spitzenpersonal nicht seinen Preis? Stimmt. Doch die Topeinkommen sind in den vergangenen Jahren weit über dem Durchschnitt gestiegen. Weil sich eine gut vernetzte Managementelite nach oben lizitiert, werden Höhen erreicht, die keinem realen Leistungsverhältnis mehr entsprechen. Der Staat muss kraft seiner Vorbildfunktion versuchen, diese Dynamik zu durchbrechen, die mitunter fatale Folgen hat. Üppige, an aktuelle Aktienkurse gekoppelte Bonuszahlungen fördern die Gier nach schnellem Geld, Wirtschaften mit Weitblick bleibt auf der Strecke.

Gagengrenzen allein werden die Welt nicht retten. Aber um die in der Krise vielbeschworene Solidarität nicht zu gefährden, sollten auch die Chefetagen ein Zeichen setzen. (Gerald John, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8.2.2009)

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