Deutsche müssen noch mehr sparen

6. Februar 2009, 17:27
posten

Die staatliche Altersvorsorge wird im Alter nur noch den Grundbedarf abdecken

Das komplizierte Thema Pension und Altersvorsorge lässt sich in Deutschland ganz einfach erklären. "Die Rente ist krisensicher, aber zu wenig" , umreißt der Hamburger Professor Udo Reifner, der das unabhängige Institut für Finanzdienstleistung (IFF) leitet, das Problem. Soll heißen: Wer sich allein auf die staatliche Pension verlässt, der wird sich im Alter gewaltig einschränken müssen.

"Die Rente ist sicher", propagierte vor elf Jahren noch der damalige deutsche Sozialminister Norbert Blüm (CDU). Unverantwortlich sei das, tobte die oppositionelle SPD. Man müsse den Menschen sagen, dass sie mehr privat vorsorgen sollen. Doch viele Deutsche wollten es so genau gar nicht wissen und vertrauten Blüm.

Kehrtwende unter Schröder

Dies ist ihnen mittlerweile jedoch gründlich vergangen, zumal die rot-grüne Regierung unter Kanzler Gerhard Schröder 2001 die Kehrtwende einleitete: Sie begann das Niveau der staatlichen, umlagefinanzierten Pensionen abzusenken, dafür aber private, kapitalgedeckte Vorsorge zu fördern, um diese Art der Pension für die Deutschen attraktiver zu machen. Und langsam, aber sicher begreifen immer mehr Deutsche, dass sie selbst initiativ werden müssen. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge dachten 2005 "nur" 37 Prozent der Bürger, sie müssten im Alter keine Einbußen hinnehmen. Heute sind es schon 72 Prozent, die so denken.

Länger als die von Reichskanzler Otto von Bismarck Ende des 19. Jahrhunderts eingeführte Sozialversicherung existiert in Deutschland bereits betriebliche Vorsorge. Mitte des 19. Jahrhunderts, mit Beginn der Industrialisierung, boten die ersten Betriebe ihren Arbeitnehmern eine freiwillige Alterssicherung durch Hilfs- und Unterstützungskassen an. Seit 2002 haben Beschäftigte das Recht, einen Teil ihres Gehalts zugunsten einer betrieblichen Altersvorsorge anzulegen. Der Arbeitgeber ist zwar nicht verpflichtet, etwas zuzuschießen, aber er muss diesem Wunsch nachkommen.

Chef plant Betriebsvorsorge

Ob das Geld in eine Direktversicherung, eine Unterstützungskasse, eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds fließt, bleibt dem Arbeitgeber überlassen. Das Geld wird in jedem Fall so angelegt, dass es im Falle einer Insolvenz des Unternehmens geschützt ist.

Noch viel weniger ausgeprägt als die zweite Säule der Vorsorge ist in Deutschland die dritte Säule, also die Privatpension. Allerdings ist das Bewusstsein, dass man auch privat ein paar Euro zur Seite legen sollte, nach Meinung von Experten in Deutschland schon größer als in Österreich.

Seit 2002 wird "geriestert"

"Riestern" heißt jene Sparform, für die sich die Deutschen immer öfter entscheiden - benannt nach dem ehemaligen Sozialminister Walter Riester (SPD), unter dessen Ägide diese "Riester-Rente" eingeführt wurde. Sie steht allen sozialversicherungspflichtigen Personen in Deutschland frei. Das Konzept: Man legt einen Teil des Einkommens bei einer Versicherung in eine Riester-Rente an und bekommt dafür vom Staat entweder direkte Zulagen oder eine steuerliche Erleichterung.

2002, als diese private Altersvorsorge eingeführt wurde, griffen 1,4 Millionen Deutsche zu, heute sind es 11,5 Millionen. Selbstständige, die nicht "riestern" dürfen, können in die nach dem Renten-Experten Bert Rürup benannte "Rürup-Rente" einzahlen. Dafür gibt es aber nur steuerliche Vorteile. Eines haben beide gemeinsam: Der Ertrag ist nicht kapitalisierbar, sondern wird nur als Pension ausgezahlt.  (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8.2.2009)

Share if you care.