Positive Handelswoche

6. Februar 2009, 15:31
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Ein Kommentar von Stephan Lingnau aus dem Equity Weekly der Erste Group

Das positivste Signal diese Woche kam sicherlich vom Baltic Dry Index. Dieser zeigte den ersten merklichen Anstieg seit Ausbruch der Krise mit einem Plus von 45% auf 1498 Punkte. Der DJ Stoxx 600 verzeichnete diese Woche ein Plus von 1,9%. Die Gewinne konnten insbesondere am Mittwoch, nach den besser als erwarteten Zahlen vom US Häusermarkt generiert werden. Aktien von Rohstoffproduzenten (+5,4%) und Reiseunternehmen (+5,4%) waren am meisten gefragt. Banken (-3,2%) verloren wieder einmal am meisten.

Die BoE senkte den Leitzins um 50 Basispunkte auf nun 1%. Die EZB hielt den Leitzins bei 2% konstant und stellte für März eine mögliche Senkung in Aussicht. Die Auftragseingänge der deutsche Industrie brachen im Dezember zum Vormonat um 6,9% ein. Aufträge aus dem Inland sanken um 4,3%, während die Auslandsaufträge sogar 9,4% nachgaben. Schlechte Nachrichten auch aus Spanien und Italien: dort ist der Autoabsatz zum Jahresauftakt stark eingebrochen. In Italien sank der Absatz um 33% auf 157.000 Autos.

Angesichts der ernüchternden Zahlen strebt Berlusconi nun rasche Staatshilfen für die Branche an. Auch in Frankreich hielten sich die Autokäufer zurück. Dort fiel das Minus mit 7,9% aber geringer aus. Besonders unbeliebt waren einheimische Marken. Deren Absatz sank um 14,8%. PSA Peugeot Citroen und Renault kommen nun nur noch auf einen Marktanteil von 50%.

Japan und Südkorea meldeten ebenfalls hohe Absatzeinbußen. In Japan wurden rund ein Fünftel weniger Neuwagen verkauft, In Südkorea waren es ein Drittel weniger. Banco Santander hat der Finanzkrise getrotzt und übertraf die Prognosen leicht. Dank eines starken Privatkundengeschäfts stieg der Nettogewinn um 9,4% auf EUR 8,9 Mrd. Die Bank gab auch bekannt, derzeit keine Pläne und keine Notwendigkeit für weitere Zukäufe zu haben.

Aus Spanien kamen auch gute Zahlen von Mapfre. Der Versicherer konnte im letzten Jahr den Gewinn auf EUR 900,7 Mio. (+23%) steigern. Der Umsatz wuchs auf EUR 17,7 Mrd. (+19%), dank eines Zuwachses von 11% bei Lebensversicherungen und einem Plus von 2,6% im Nicht- Lebenssegment.

Die Münchener Rück musste hingegen im vergangenen Jahr einen kräftigen Gewinneinbruch hinnehmen. Das Konzernergebnis sank auf 1,5 Mrd. (-61%). Im vierten Quartal lag der Gewinn nur noch bei EUR 100 Mio. Die Dividende soll stabil bleiben. Die Deutsche Bank veröffentlichte nun die endgültigen Zahlen zum letzten Quartal. Der Verlust lag bei EUR 6,2 Mrd. In allen Geschäftsbereichen gab es Probleme, die Bilanzsumme blähte sich weiter auf und die Inanspruchnahme von staatlichen Hilfen wird erstmals nicht mehr kategorisch ausgeschlossen.

Nicht nach Plan läuft es auch bei der Deutschen Börse . Der Umsatz auf Xetra ist im Jänner auf EUR 84,2 Mrd. (-71%) zu Vorjahr gefallen. Das Xetra-Handelssystem soll nun auch im osteuropäischen Raum eingeführt werden. Die Wiener Börse plant das System in Budapest, Laibach und Prag zu etablieren. BHP Billiton hat in der ersten Hälfte seines Geschäftsjahrs trotz eines Gewinnanstiegs die Erwartungen nicht erreicht. Der Gewinn vor Sonderposten ist im letzten Halbjahr auf USD 6,14 Mrd. (+2,2%) gestiegen. Der Konsens war von einem Anstieg auf USD 6,8 Mrd. ausgegangen.

Rio Tinto könnte noch stärker als bisher von seinem chinesischen Großaktionär Chinalco gestützt werden. Die Chinesen bereiteten eine Kapitalspritze von EUR 15,6 Mrd. vor, womit sie ihren Anteil an Rio Tinto auf 15 bis 20% anheben würden. Salzgitter rechnet im laufenden Jahr mit einem Umsatzrückgang in der bisherigen Erfolgssparte Röhren. Grund ist die gesunkene Nachfrage der Automobilindustrie. Die Röhrensparte ist das am schnellsten wachsende Geschäftsfeld von Salzgitter. Innerhalb von fünf Jahren verdoppelte sich der Umsatz auf zuletzt EUR 1,82 Mrd. - rund 20% des Gesamtumsatzes.

Roche konnte im letzten Jahr nicht mehr an das starke Wachstum der letzten Jahre anknüpfen und blickt skeptisch auf 2009. Roche verdiente letztes Jahr 2,75 Mrd. (-5%). Der Umsatz ging um 1% zurück. Gebremst wurde der Pharmakonzern durch den starke Franken und geringere Finanzerträge. Die Dividende wurde leicht angehoben und soll auch in den nächsten zwei Jahren kontinuierlich steigen. Schlechte Zahlen auch von GlaxoSmithkline. Der Nettogewinn nahm im letzten Quartal auf GBP 982 Mio. (-7,7%) ab.

Das Ablaufen wichtiger Patente in den USA und ein Bußgeld von GBP 400 Mio. waren die Gründe. Fusionen oder Zukäufen sind derzeit nicht geplant. Bis 2011 sollen GBP 1,7 Mrd. an jährlichen Kosten gespart werden und zwischen 6.000 und 10.000 Stellen gestrichen werden. Vinci hat 2008 wie erwartet einen Umsatzsprung verbucht und blickt zuversichtlich auf das laufende Jahr. Die Erlöse sind um 10% auf EUR 33,5 Mrd. gewachsen. Der Auftragsbestand ist im vierten Quartal jedoch zurückgegangen, deckt aber noch zehn Monate des laufenden Jahres ab. Stora Enso musste im vierten Quartal wieder einen deutlich größeren Verlust ausweisen. Der Umsatz fiel um über 12% auf EUR 2,60 Mrd. Gleichzeitig wuchs der Fehlbetrag von EUR 59,6 Mio. auf nun EUR 654,6 Mio.

Einen doppelt so hohen Verlust wie erwartet erlitt Volvo im vierten Quartal. Das Minus beträgt rund EUR 95 Mio. Die Auftragseingänge in der LKW Sparte fielen um 82%. Volvo verzichtete auf eine Prognose für das laufende Jahr. Zumindest im ersten Halbjahr erwarte man keine Erholung. Die Aktie stieg trotzdem in der Spitze 19% da das Unternehmen ankündigte, eine Dividende zu zahlen und die Einsparungen zu verstärken. Auch Scania ist von der Krise im LKW-Geschäft härter betroffen als erwartet: Im vierten Quartal brach der Gewinn um mehr als die Hälfte auf EUR 148 Mio. ein. Die Zahl der Lkw-Bestellungen schmolz mit einem Minus von 98% fast komplett zusammen.

Volkswagen verschiebt angesichts schwacher Nachfrage einem Zeitungsbericht zufolge die Ausweitung eines Werkes in China. Der niedrige Ölpreis machte BP im vierten Quartal zu schaffen. Zu Wiederbeschaffungskosten sank der Gewinn auf USD 2,6 Mrd. (-24%). Unter dem Strich wies der Konzern aufgrund zahlreicher Sondereffekte einen Verlust von USD 3,3 Mrd. aus. Ryanair zeigt sich trotz eines
Nettoverlusts im abgelaufenen Quartal optimistisch für die Zukunft. Im dritten Geschäftsquartal bis Ende Dezember erlitt Ryanair einen bereinigten Nettoverlust von EUR 101,5 Mio. und lag leicht über den Erwartungen.

Unilever erwirtschaftete 2008 zwar einen satten Gewinn von EUR 5,3 Mrd. (+28%) und übertraf im vierten Quartal die Umsatzerwartungen, gab jedoch keinen Ausblick. Alcatel- Lucent rechnet damit im Jahr 2010 wieder einen Nettogewinn zu erreichen. Im letzten Quartal wies der Konzern bei EUR 4,95 Mrd. Umsatz einen Verlust von EUR 3,9 Mrd. aus. Im Gesamtjahr 2008 lagen der Umsatz bei EUR 17 Mrd. und der Verlust bei 5,2 Milliarden Euro.

Infineon hat im letzten Quartal wie erwartet einen Verlust von EUR 374 Mio. geschrieben. Der Konzern rechnet weiters mit einer Verschlechterung der Lage in diesem Quartal. Der Umsatz werde im Vergleich zu den vorangegangenen drei Monaten um etwa 10% sinken. Bei der insolventen Tochter Qimonda sieht auch die EU keine Möglichkeit einer Unterstützung. "Niemand kann ein Unternehmen retten, das sein Eigentümer nicht retten will", meinte EUIndustriekommissar Günter Verheugen.

Bis Jetzt haben fast ein Drittel der Unternehmen im Stoxx 600 ihre Jahresbilanzen vorgelegt. Nächste Woche folgen unter anderem Barclays, UBS, Postbank, Peugot, Rio Tinto, ABB, Total und Solarworld. Am Montag wird der Sentix Index veröffentlicht und am Freitag stehen die offiziellen BIP Zahlen für Europa an. (Stephan Lingnau)

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