Ein wenig Hoffnung an der Wall Street

6. Februar 2009, 15:24
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Ein Kommentar von Ronald-Peter Stöferle aus dem Equity Weekly der Erste Group

Die US-Börsen gehen nahezu unverändert aus der Handelswoche. Trotz überwiegend enttäuschender Unternehmens - und Makrodaten steigt der S&P 0,08%, der Nasdaq Composite legt sogar 2,55% zu. Der Dow Jones unterschritt zwischenzeitlich die psychologisch wichtige Marke von 8.000, konnte sich jedoch wieder erholen. Der US-Dollar befestigt sich weiterhin und notiert nun bei 1,28 zum Euro, Gold steigt auf USD 913/Unze und WTI-Öl verharrt auf USD 40/Barrel. Die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen liegen nun bei 2,9%, die der 30-jährigen Bonds bei 3,6%.

Die Hoffnungen auf eine baldige Gründung einer "Bad Bank" wurden vorerst enttäuscht. Am Donnerstag gab es jedoch einen neuen Lichtblick: So könnte die US-Regierung die Bilanzierungsrichtlinien für Vermögenswerte demnächst modifizieren. Die Vorschrift, Aktiva zum Marktwert in den Büchern zu führen (Mark-To-Market), könnte vorübergehend abgeschafft werden, was für den Finanzsektor eine enorme Erleichterung bedeuten würde. Die überwiegend schwächer als prognostizierten Konjunkturdaten wurden gelassen aufgenommen, was klar positiv zu werten ist. Aktuell scheint ohnehin das worst-case-Szenario eingepreist.

Die US-Wirtschaft entwickelte sich 2008 so schwach wie seit 27 Jahren nicht: das BIP sank annualisiert um 3,8%. Auch die Arbeitsmarktdaten fielen verheerend aus: Im Januar gab es so viele Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe wie seit 26 Jahren nicht mehr. Der Chicago Einkaufsmanagerindex fiel deutlich stärker als erwartet, ebenso das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan. Die Industrieaufträge sanken im Dezember um 3,9%, nachdem sie im Vormonat um 6,5% gefallen waren.

Der Verkauf der Brokersparte Nikko Cordial durch die Citigroup könnte demnächst konkret werden. Medienberichten zufolge interessieren sich die japanischen Mitsubishi UFJ, Sumitomo Mitsui und Mizuho Financial. Die Finanztitel litten zudem unter der Ratingabstufung der britischen Barclays. Moody's sieht weiterhin signifikante Verluste. Aktien der Bank of America sanken auf USD 5 und damit auf den tiefsten Stand seit 1984. Eine komplette Verstaatlichung erscheint nun immer wahrscheinlicher.

Exxon erzielte mit USD 45 Mrd. den höchsten Gewinn der Unternehmensgeschichte. Das Ergebnis von 2007 wurde um 11% überschritten, lediglich das vierte Quartal enttäuschte ein wenig. Auch Chevron meldete einen Rekordgewinn für 2008. USD 23,9 Mrd. bedeuten ein Plus von knapp 30% im Vergleich zum Vorjahr. Anteilsscheine von General Motors tendieren weiterhin in Richtung Pennystock. Die Absätze knickten im Dezember um 49% ein. Barclay's senkte das Kursziel für Ford von USD 4 auf 1. Die deutlich gestiegene Schuldenlast könnte zu einer baldigen Insolvenz führen.

Motorola meldete einen deutlich höheren Verlust als prognostiziert. Die Umsätze knickten aufgrund der schwächelnden Handy-Sparte um knapp ein Viertel auf USD 7 Mrd. ein. Die Quartalsdividende wurde gestrichen, der Ausblick wurde ebenfalls gesenkt. Moody's reagierte mit einer Abstufung auf "Baa3" und wird eventuell eine weitere Abstufung vornehmen, was die Finanzierungskosten des hochverschuldeten Unternehmens deutlich erhöhen würde. Der Speicherkartenhersteller SanDisk knickt 17,9% ein.

Der Umsatzausblick wurde deutlich gesenkt. Aufgrund der angespannten Finanzlage werde man eine Kapitalerhöhung durchführen müssen. Netzwerkausrüster Cisco legte enttäuschende Zahlen und gab einen düsteren Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr. Time Warner meldete eine Goodwill-Abschreibung von USD 24 Mrd. auf die Internet- und Kabelsparte. Für 2009 rechnet man mit einer Umsatzstagnation. Online Händler Amazon.com meldete ein Rekord-Weihnachtsgeschäft, ein Absatzplus in Höhe von 18% und einen 9% höheren Gewinn. Die Aktie haussiert 26%.

Pharmaaktien zeigten sich hingegen resistent gegen die Wirtschaftsflaute. Merck & Co konnte die Erlöse im Q4 deutlich steigern und die Analystenschätzungen übertreffen. Auch der Umsatz und der Ausblick für 2009 gefielen dem Markt, die Aktie steigt knapp 5%. Auch Schering- Plough legte ein überzeugendes Zahlenwerk. Das massive Kostensenkungsprogramm zeigte Wirkung. Anteilsscheine von Genentech erholen sich wieder. Der Verwaltungsrat hat die Ablehnung des Übernahmeangebots von Roche über USD 86,5 bekräftigt.

Auch Kraft Foods meldete einen Gewinneinbruch. Die Preisschlacht bei Lebensmittel belastete das Ergebnis deutlich, die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr wurden gestutzt. Auch der starke US-Dollar belastete das Ergebnis signifikant. Paketdienstleister UPS meldete einen Gewinnrückgang von 22%. Die angekündigten Sparmaßnahmen gefielen jedoch. Auch Einzelhändler Costco Wholesale enttäuschte. Die flächenbereinigten Umsätze fielen im Jänner um 2%, die Gewinnprognosen wurden klar verfehlt.

Einen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr konnte/wollte man nicht geben. In der nächsten Handelswoche erwarten wir Zahlen von Loews, Wynn, Nvidia, MCAffee, Coca Cola und Pepsi. Der kritische Teil der Berichtssaison ist jedoch bereits absolviert. Zwar scheint eine zügige und dauerhafte Erholung der US-Märkte mehr als unrealistisch, wir gehen jedoch von einer kurzfristigen Aufwärtstendenz aus, die einige Wochen anhalten könnte. Die Nasdaq sollte den S&P während dieser Phase klar outperformen. (Ronald-Peter Stöferle)

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