Kerviel erhebt schwere Vorwürfe

6. Februar 2009, 14:39
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Der französische Skandalhändler, der die Société Générale um 15 Milliarden Euro erleichtert hat, sieht eine Mitschuld bei seinen Kollegen

Paris - Der französische Skandalhändler Jérôme Kerviel hat erneut schwere Vorwürfe gegen die Großbank Société Générale erhoben. "Glauben Sie wirklich, ein 15-Milliarden-Euro-Geschäft ließe sich unbemerkt abwickeln, ohne dass die Bank Fragen stellt?", sagte Kerviel am Freitag im Radiosender RTL. Seine Kollegen hätten mitbekommen, was er gemacht habe. "Alle meine Geschäfte wurden gesehen, überwacht und geprüft. Ich habe mich nicht versteckt." Seine Kollegen hätten ihn aber nicht aufgehalten und damit selbst gegen Vorschriften verstoßen, sagte der 32-Jährige. "Mir wäre es recht gewesen, wenn jemand gesagt hätte, 'Hör auf mit dem Unsinn'."

"Alles, was wir getan haben, jede Geste war in Echtzeit zu sehen", sagte Kerviel. "Wir arbeiten einer neben dem anderen, und wir können genau hören, was jeder einzelne am Telefon sagt." Er wisse, dass er Fehler begangen habe, sagte der ehemalige Händler, gegen den die Justiz wegen Vertrauensmissbrauchs und Fälschung vorgeht. "Ich habe mich von einer selbstverstärkenden Spirale mitreißen lassen, auf die meine Vorgesetzten Öl gegossen haben, damit es läuft." Ab einem gewissen Zeitpunkt hätten die Summen keine Bedeutung mehr für ihn gehabt.

Kerviel muss sich voraussichtlich ab nächstem Jahr vor Gericht verantworten. Die Société Générale hatte vor gut einem Jahr bekanntgegeben, dass der Händler ihr durch ungenehmigte Geschäfte einen Schaden von 4,9 Milliarden Euro zugefügt habe. Ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft. (APA/AFP)

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    Kerviel: "All meine Geschäfte wurden gesehen, überwacht und geprüft.

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