Absichten und Hühnerherzen

6. Februar 2009, 16:59
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Über sogenannte Freunde und "Katzbuckler" und die Wichtigkeit langgepflegter Partnerschaften in Krisenzeiten

"Wenn du die Absichten anderer erkennen willst, werde krank." Das rät Tsunetomo Yamamoto im Hagakure, dem Ehrenkodex für Samurai (kabel-verlag.de). Weiter: "Wer in gewöhnlichen Zeiten mit anderen vertraut umgeht, sich dann aber bei Schwierigkeiten plötzlich von ihnen distanziert, ist verachtenswert. Man nennt ihn einen Samurai mit Hühnerherz."

Diese Stelle hat aktuell besondere Relevanz. Natürlich ist es nicht schwer, das einflussreiche Leben (im Windschatten) der sogenannten Freunde zu genießen. Natürlich ist es nicht schwer, sich zum einen oder anderen begehrten Medienstar aufs Foto zu stellen.

Glücklich, wer solche Scharen und Katzbuckler vor der Funktion nicht mit Freunden verwechselt hat. Glücklich, wer Person nicht mit Funktion verwechselt hat. Der muss jetzt nämlich nicht erschrecken. Der hat nämlich jetzt nicht das Gefühl, "alles" zu verlieren, wenn er keinen Superjob mehr hat.
Voller Erkenntnis ist die eben erst beginnende Krise allemal: Hühnerherzen werden sich von Freunden scheiden. Lang gepflegte Partnerschaften werden sich bezahlt machen. Ausgewogene Beziehungen von Geben und Nehmen werden halten. Windschattenfahrer werden auf der Strecke bleiben. Hofhalter werden ihren Staat verlieren. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.2.2009)

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    In der beginnenden Krise trennen sich "anschmiegsame" Oportunisten von echten Freunden

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