Grüne verlieren ihren Parteisekretär

6. Februar 2009, 17:43
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Grüne kommen nicht zur Ruhe: Lothar Lockl verlässt die Partei - Offiziell sagt er kein schlechtes Wort, hinter den Kulissen rumort es aber

Wien - Die Neuaufstellung der Grünen geht weiter. Nach der Übergabe der Parteispitze von Alexander Van der Bellen an Eva Glawischnig gab der grüne Bundesparteisekretär Lothar Lockl am Freitag seinen Rückzug aus der Politik bekannt. Der Wiener war über Jahre Sprecher, Berater und Vertrauter Van der Bellens. Seine Karriere begann er bei der Umweltschutzorganisation Global 2000. Eine seiner Weggefährtinnen war damals die heutige Grünen-Chefin.
In den nächsten Monaten will Lockl bei den Grünen für „eine gute Übergabe" sorgen. Nach neun Jahren Parteiarbeit sei es jedenfalls Zeit für „neue Herausforderungen", begründet er im Gespräch mit dem _Standard seinen Entschluss. Dass sein Rücktritt mit den jüngsten Querelen um den EU-Abgeordneten Johannes Voggenhuber zu tun haben könnte, stellt Lockl entschieden in Abrede. Auch mit der Neuausrichtung der Partei durch Glawischnig habe das nichts zu tun, sagt er.

Die neue Parteichefin sei in der aktuell schwierigen Phase die „Idealbesetzung". Er habe schon vor der Nationalratswahl im September 2008, bei der die Grünen von 11,1 auf 10,4 Prozent abgesunken sind, seinen Abgang beschlossen, sagte Lockl. Auch Van der Bellen sei damals bereits informiert worden. Es handle sich also um eine „rein persönliche Entscheidung".

Glawischnig und ihr Team

Parteiintern klingt das freilich ganz anders. Lockl habe entnervt aufgegeben, heißt es. Er sei zu Glawischnig nicht mehr durchgedrungen und wollte unter diesen Umständen keinesfalls für den EU-Wahlkampf verantwortlich sein.
Lockl selbst sagt offiziell kein schlechtes Wort über die Grünen oder über Glawischnig. Nur so viel: „Glawischnig kann jetzt ihr Team bilden."
Die parteiintern kursierenden Gerüchte über die „wahren" Motive für den Abgang Lockls offenbaren die momentanen Zerrissenheit der Partei. Einige sehen Lockl auch als Opfer im grünen „Geschlechterkampf".

Wer Lockl als Parteisekretär nachfolgen wird, steht noch nicht fest. Wobei gar nicht sicher ist, dass die Funktion überhaupt nachbesetzt wird. Schließlich war der für Lockl neu geschaffene Posten des Parteisekretärs bei den Grünen höchst umstritten. Lockl selbst geht aber von einem Nachfolger aus. Er rechnet damit, dass der erweiterte Bundesvorstand spätestens bis zum Sommer eine Entscheidung fällt.

Von Johannes Voggenhuber droht Glawischnig neuer Ärger. Auch wenn ihm die Grünen einen Antritt bei den EU-Wahlen im Juni verwehrt haben, will der Europa-Abgeordnete nicht klein beigeben. Innerhalb der Grünen wird bereits heftig darüber spekuliert, dass er sich nun im Salzburger Landeswahlkampf stark engagieren werde. Die Salzburger könnten ihren Wahlkampf zu einer Abrechnung mit der Bundespartei umgestalten.

Cyriak Schwaighofers Landesgruppe hat im Streit über Voggenhubers EU-Kandidatur immer auf der Seite des Salzburgers gestanden. Das bleibt nicht unbedankt: „Die sind für mich auf die Barrikaden gestiegen", sagt Voggenhuber im Gespräch mit dem Standard. Er wolle nicht, dass die Konsequenzen aus den Entscheidungen der Bundespartei „die ganz Falschen erwischt". Für Voggenhuber besteht „diese Gefahr, und ich werde selbstverständlich mithelfen, den Schaden zu minimieren".

FPÖ und BZÖ, beide sehr männerdominiert, ätzten am Freitag bereits über das "grüne Suffragettenregime" und empfahlen der Öko-Partei die Einführung einer Männerquote. (go, pm, völ, DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.2.2009)

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    Grünen-Chefin Eva Glawischnig kommt ein wichtiger Berater abhanden: Lothar Lockl reicht's - er zieht sich aus der Politik zurück.

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