Petition für Forschung und Innovation

6. Februar 2009, 13:47
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Initiative "Forschung ist Zukunft" ruft zur Unterstützung durch die "gesamte österreichische Gesellschaft" auf - ÖAW-Präsident fürchtet "ernsthafte Schwierigkeiten"

Wien - Eine Petition an die Bundesregierung "für die Sicherung von Forschung und Innovationen in Österreich" hat die Initiative "Forschung ist Zukunft" um die auch über die Fachwelt hinaus bekannten Wissenschafter Rainer Blatt, Josef Penninger, Giulio Superti-Furga und Anton Zeilinger angekündigt. Über die Internetadresse www.imba.oeaw.ac.at/forschung-ist-zukunft werden Unterstützungserklärungen gesammelt, diese sollen dann an die Regierung weitergegeben werden.

Erst Ende Jänner haben die vier Wissenschafter bei einer Pressekonferenz Bedenken geäußert, dass die sich die derzeitigen Unsicherheiten und drohenden Budgetkürzungen im Forschungsbereich nachhaltig negativ auf den Wissenschaftsstandort auswirken könnten. Blatt, Penninger, Superti-Furga und Zeilinger sehen den in den vergangenen Jahren mühsam aufgebauten, guten Ruf in Gefahr. Gerade in der Krise sollte die Wissenschaft gestärkt werden, sind die Forscher überzeugt.

Aufruf an die "gesamte österreichische Gesellschaft"

Nun fordert die Initiative, dass der von der vorigen Regierung zugesagte Forschungspfad zur schrittweisen Anpassung der Finanzierung eingehalten wird. Über die kommenden Jahre sollten die zugesagten 2,3 Milliarden Euro wie geplant zur Verfügung gestellt werden. Der Aufruf zur Unterstützung geht nicht nur an die wissenschaftliche Gemeinschaft, sondern "an die gesamte österreichische Gesellschaft".

ÖAW fürchtet "ernsthafte Schwierigkeiten"

"Ernsthafte Schwierigkeiten" erwartet der Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Peter Schuster, falls das Akademie-Budget 2009 "deutlich unter 95 Millionen Euro" beträgt. Die ÖAW "weiß, was sie braucht, um ihre Funktion als größter außeruniversitärer Träger für Grundlagenforschung wahrnehmen zu können", so Schuster. Dennoch muss auch die Akademie wie alle anderen Forschungseinrichtungen bezüglich Finanzzusagen auf konkrete Zahlen warten. Diese sollen erst mit der Budgetrede im April bekanntgegeben werden.

Schuster zeigte Verständnis, dass die ursprünglichen Zusagen der alten Regierung für 2009 in der Höhe von 106,6 Mio. Euro angesichts der Wirtschaftssituation nicht zu halten sind. Doch mit 73 Mio. Euro, die der Akademie Ende des Vorjahres als neues Budget genannt wurden, "kann man nicht annähernd den Beschäftigtenstand von 1.100 wissenschaftlich Tätigen halten". Schrumpft das ursprünglich angekündigte Budget im Übermaß, werde das nicht ohne nachhaltige und langfristige negative Konsequenzen für den Forschungsstandort Österreich sein.

Im Vergleich

Dabei zeigt laut Schuster etwa ein Vergleich mit der deutschen Max-Planck-Gesellschaft (MPG), dass die ÖAW ohnehin mit vergleichsweise wenig Mitteln auskommen muss. Größenbereinigt erhält die MPG etwa zweieinhalb Mal soviel Budget wie die ÖAW und diese Mittel kommen aus gesicherten Bundes- und Länderbudgets. Die ÖAW ist hingegen auf Zuwendungen aus mehreren zum Teil unsicheren Quellen wie der Nationalstiftung angewiesen - aller Voraussicht nach wird die Nationalstiftung 2009 überhaupt keine Mittel ausschütten.

Schuster verweist angesichts der derzeit noch ungeklärten finanziellen Gewichtung von Grundlagen- und angewandter Forschung auf das "diffizile" Verhältnis der zwei Bereiche. Sie seien eng miteinander verzahnt. Wichtig sei, die Unabhängigkeit der Grundlagenforschung von Auftragsforschung zu wahren, "um die in den letzten Jahren mühsam aufgebaute Qualität einiger Spitzeninstitute halten zu können". Die Entscheidung, "wie viel Geld man wohin gibt, ist eine politische", so Schuster. Die einzelnen Forschungseinrichtungen könnten derzeit nur darlegen, was für Bedürfnisse sie haben und welche Konsequenzen aus Unterfinanzierungen erwachsen.

"Verjüngung" des ÖAW-Präsidiums

"Ich habe natürlich gehofft, dass ich ein Haus mit gesicherter Finanzierung weitergeben kann. Das wird jetzt wahrscheinlich nicht der Fall sein", meinte Schuster im Zusammenhang mit der im April anstehenden Wahl eines neuen Präsidiums der ÖAW. Er selbst wird nicht mehr kandidieren. "Meine Meinung ist, dass Emeriti - und ich bin 68 Jahre alt und werde im Herbst emeritieren - als Berater fungieren sollen. Sie können, wenn es gewünscht wird, nützliche Ratschläge geben. Doch die aktiven Funktionäre, die Verantwortung tragen müssen, sollen jünger sein." Eine solche "Verjüngung" werde das Präsidium der ÖAW erfahren. Neu zu besetzen sind die Positionen des Präsidenten, des Vizepräsidenten sowie des Generalsekretärs.

Unterstützung von Graf

Unterstützung für die Petition kommt vom Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf (FPÖ), der die heimische Forschung in einer Aussendung "kurz vor dem Ruin" sieht. Es sei "wirklich eine Schande, wie die rot-schwarze Koalition eine der wichtigsten Zukunftsressourcen Österreichs, nämlich die Forschung, ausbeutet", sagte der Dritte Nationalratspräsident.

Nun sei klar, dass der größten und wichtigsten Institution Österreichs zur Förderung der Grundlagenforschung 40 Prozent des Budgets des Vorjahres, das seien 180 Millionen Euro, dieses Jahr nicht mehr zur Verfügung stünden. Dieses Budget sei "eine Farce", damit könne "keine vernünftige Arbeit geleistet werden". (APA)

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    Österreichs Forschung steht schwierigen Zeiten gegenüber - die Initiative "Forschung ist Zukunft" wendet sich gegen drohende Budgetkürzungen.

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