Schamlos Gummis kaufen

6. Februar 2009, 12:53
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Vor 15 Jahren peinlich, heute selbstverständlich: Condomi ist die erste Kondomerie Wiens

Wien - Peinlich berührte InteressentInnen, wenige Angebote und schiefe Blicke der anderen KundInnen: Der Kauf von Kondomen war vor etlichen Jahren in Österreich alles andere als angenehm. Die BenutzerInnen der Verhütungsmittel bedienten sich lieber am Automaten, als in einer Apotheke die Bestellungen unter Beobachtung anderer aufzugeben. Geändert hat sich das vor 15, als die erste Kondomerie in Wien ihre Pforten öffnete und den Kondomeinkauf in Zeiten von HIV/Aids "standardisierte".

"Beeindruckt und fasziniert" war Ingrid Mack von der Auswahl der Kondomerien im Ausland. "Ich arbeitete als Kellnerin in der Schweiz und Deutschland", erzählt die Geschäftsführerin. Dort war der Einkauf der "Gummis" in einer entspannten Atmosphäre kein Problem. Und im Hinterkopf hatte Mack immer ihre beste Schulfreundin, die sich Mitte der Achtziger als eine der ersten mit dem HI-Virus infizierte. "Das öffnete mir die Augen."

"Ein Vibrator gehört in jeden Haushalt"

"Jeder sollte sich in einem ganz normalen Geschäft sein passendes Kondom aussuchen und kaufen können - aus der europaweiten Angebotspalette auswählen und so verantwortungsvolle Sexualität leben können", ist Mack überzeugt. Nach einem harten, fast drei Jahre andauernden Kampf mit Bürokratie und Kondomprüfungsverordnungen war es soweit. Am 27. Jänner 1994 eröffnete Mack ("Ein Kochlöffel und ein Vibrator gehören in jeden guten Haushalt!") das "Condomi" in der Otto-Bauer-Gasse 24 in Wien-Mariahilf.

Unterstützung bekam sie als Franchise-Nehmerin von ihrem Unternehmens-Partner "Condomi" aus Köln, der zwei Jahre zuvor Deutschland erstes Kondomfachgeschäft gründete, sowie den Aids Hilfen. "Endlich wurde darüber geredet, wie wichtig Kondome sind und dass man sich nicht genieren muss, diese zu kaufen und auch zu verwenden", erinnert sich Mack.

"Natürlich gab es auch Menschen, denen diese Art von Geschäftsidee nicht ganz geheuer war - 'Pornojäger' Martin Humer etwa dachte, er könne uns von unserer wichtigen Arbeit abhalten, indem er die Polizei und die Wirtschaftskammer informierte über meine 'schmutzige' Geschäftstätigkeit."

Kondome in Markenvielfalt

Das "Condomi" in Wien wurde bald zu einem produzierenden Betrieb, der 1997 mit seinen Marken "Condomis Mix" und "Condomis Fruit" die ersten Automatenpackungen herstellte. "Genauso bahnbrechend waren unsere Fun-Condomis, die auf spielerische Weise den Umgang mit Kondomen thematisierte: In jeder Packung waren ein handbemaltes Scherzkondom und zwei geprüfte", erläuterte Mack.

Für Schnellentschlossene bot Mack sogar den radelnden Kondomboten an. Von 2003 bis 2004 war der "Condomi"-Express am Wochenende von 22.00 bis 2.00 Uhr in Wien unterwegs und brachte auf telefonische Bestellung zwei Packungen Kondome plus Gleitgel mitunter zu den sonderbarsten Adressen. Pärchen auf Parkbänken wurden ebenso beliefert wie Besteller in Discos.

Museum zum Jubiläum

Kurioses sowie Wissenswertes rund um Verhütung und Safer Sex will man auch zum Jubiläum bieten. Am 12. Februar eröffnet das Condomi-Museum, das auf 100 Quadratmetern einen Streifzug durch die Geschichte des "Gummis" zeigt. So wurde mit Leinensäckchen, Schafdärme oder Fischblasen verhütet. Aber auch das flüssige Kondom hat Einzug in die Schau gehalten. Das Museum ist im Gewölberaum des Erotikfachgeschäft "Liebens-wert" eingerichtet. Ein geführter Rundgang dauert etwa eine Stunde. Auch Schulen werden eingeladen, um im Rahmen ihres Aufklärungsunterrichts ab siebenten, achten Schulstufe das Museum zu besuchen. (APA)

Condomi-Museum
im Shop "Liebens-wert - feminine Lebensart"
1060 Wien, Esterhazygasse 26
geöffnet während der Geschäftszeiten
Montag bis Freitag von 12.00 bis 19.00
sowie Samstag von 12.00 bis 18.00
Anmeldungen unter der Telefonnummer 01/595-52-55 bei Ingrid Mack

Link: Einkaufstour im Liebenswert

  • Artikelbild
    foto: condomi
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