"VinziPort" soll noch heuer eröffnet werden

6. Februar 2009, 12:22
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Die Einrichtung soll EU-Bürgern ohne österreichischen Pass offenstehen

Die Pläne der Vinzenzgemeinschaft für eine Notschlafstelle für obdachlose EU-Bürger in Wien dürften vor einem Durchbruch stehen: "Sie nähert sich der Verwirklichung", berichtete der Initiator, Pfarrer Wolfgang Pucher. Demnach könnte die Einrichtung, die auf mindestens 50 Personen ausgelegt ist, unter dem Namen VinziPort noch heuer in Währing eröffnet werden. Eine Immobilienfirma habe in Aussicht gestellt, dass er in den nächsten zwei Wochen ein Haus bekommen könne, wobei man den Standort noch nicht bekanntgeben wolle, so Pucher hoffnungsfroh.

Dieses Objekt müsste die Vinzenzgemeinschaft dann vermutlich mieten. Im Idealfall dürfte die Eröffnung der Einrichtung dann in nicht allzu ferner Zukunft liegen: "Es könnte sich bis Ende März ausgehen." Auch die Hälfte der notwendigen 30 freiwilligen Helfer habe man schon zusammen.

Das VinziPort soll nur EU-Bürgern ohne österreichischen Pass offenstehen. Mit der Einrichtung wolle man die Lücken im bestehenden sozialen Netz Wiens schließen. Zumal es hier rund 200, vorwiegend aus Osteuropa stammende, obdachlose EU-Bürger gebe, die keinen Anspruch auf Sozial- oder Arbeitslosenhilfe hätten, da sie nicht legal in Österreich gearbeitet haben. Ohne diesen Anspruch finden sie jedoch keine Aufnahme in den städtischen Einrichtungen.

Sozialtourismus

Diese Regelung, die Sozialtourismus vorbeugen soll, müsse dringend geändert werden, forderte der Pfarrer. EU-Bürger, die länger als fünf Jahre in Wien leben, sollten von den städtischen Einrichtungen automatisch betreut werden. Deshalb wolle er in dieser Frage auch mit den Bundesvertretern in Kontakt treten, zumal die jetzige Situation vollkommen unverständlich sei: "Es kann nicht sein, dass ein Land, das zur EU gehört, im sozialen Bereich so engherzig ist, dass man in extremen Notfällen den Menschen keine Unterkunft anbietet."

Derzeit seien die beiden Wiener Einrichtungen der Vinzenzgemeinschaft, "VinziRast" und "VinziBett", die einzigen, welche die Betroffenen aufnähmen. Auch habe man vor Weihnachten zwei Polen in erbarmungswürdigem Zustand von Wien ins Grazer Vinzidorf übersiedeln müssen, wo sie sich mittlerweile erholen würden. Die Not sei so groß, dass man das neue VinziPort brauche und hiermit auch Druck auf die Entscheidungsträger ausüben wolle. Angeboten werden sollen in der Einrichtung neben einem Bett auch eine warme Mahlzeit, die Möglichkeit, Wäsche zu waschen, sowie ein sozialer Beratungsdienst.

In Österreich wurde die Vinzenzgemeinschaft 1849 gegründet und zählt mittlerweile über 1.000 ehrenamtliche Helfer in rund 100 regionalen Gruppen. Bekannt wurde die Gemeinschaft 1993 durch die Pucher-Initiative des Vinzidorfs in Graz. In Wien folgte auf die beiden Obdachlosen-Schlafstellen Vinzirast und -bett im September 2008 der Vinzimarkt in Mariahilf. In dem Sozialsupermarkt können Menschen mit einem Einkommen unter 800 Euro pro Monat Lebensmittel und Haushaltswaren für rund ein Drittel des Normalpreises kaufen. (APA)

 

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