Banken bei Kreditvergabe immer restriktiver

6. Februar 2009, 19:29
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Konditionen bei Firmendarlehen schon sechstes Quartal in Folge verschärft

Wien - Die Banken sind bei der Kreditvergabe in den vergangenen Wochen nochmals restriktiver geworden, haben die Konditionen bei Firmendarlehen schon im sechsten Quartal in Folge verschärft. Dies geht aus einer Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) unter Bank-Kreditmanagern hervor. Den Österreich-Part der Umfrage hat die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) am Freitag veröffentlicht. Die staatlichen Eigenkapitalhilfen für die heimischen Banken sollten erst im Verlauf des ersten Quartals die Finanzierungsbeschränkungen "etwas entspannen", schrieb die OeNB.

Insgesamt erwarten die befragten Kreditmanager aber, dass die Krise das Kreditgeschäft im ersten Quartal 2009 weiterhin schwieriger gestalten wird.

110 Banken befragt

Die Zentralbanken des Euroraums - in Österreich die OeNB - fragen gemeinsam mit der EZB seit Anfang 2003 viermal jährlich das Kreditgeschäft im Euroraum ab. Dabei werden rund 110 führende Banken aus allen Ländern des Euroraums befragt, darunter fünf Institute aus Österreich. Seit Ausbruch der Finanzkrise wird diesen Umfragen in der Öffentlichkeit ein höherer Stellenwert eingeräumt. Die Bank-Vorstände waren in den vergangenen Wochen nicht müde geworden, einen Verdacht auf eine "Kreditklemme" zurückzuweisen.

Die internationale Finanzmarktkrise beeinträchtigt, wie die OeNB heute unter Hinweis auf die Umfrage schrieb, zunehmend die Bedingungen und die Konditionen, zu denen die österreichischen Unternehmen bei den Banken Kredite aufnehmen können. Weniger ausgeprägt seien die Auswirkungen der Krise im Privatkreditgeschäft.

Ausblick

Das zeigten auch die Ergebnisse der Umfrage über das Kreditgeschäft im Jänner 2009, in deren Rahmen die Kreditmanager führender Banken ihre Einschätzung der Kreditentwicklung im vierten Quartal 2008 sowie einen Ausblick auf das erste Quartal 2009 gegeben haben.

Nach wie vor erschwere die Finanzmarktkrise die Refinanzierung der Banken auf dem Geld- und auf dem Kapitalmarkt, was sich laut OeNB "im Umfang und in den Margen der von den Banken vergebenen Kredite niederschlägt."

In Summe hätten die österreichischen Banken ihre Firmenkreditrichtlinien seit Beginn der Finanzmarktturbulenzen im vierten Quartal 2008 nun schon sechs Quartale hintereinander restriktiver ausgerichtet. Die Kreditrichtlinien sind die internen, schriftlich festgelegten und ungeschriebenen Kriterien, die festlegen, welche Art von Krediten eine Bank als wünschenswert bewertet.

Im vierten Quartal 2008 seien zum sechsten Mal hintereinander die Zinsspannen für risikoreichere Kredite gestiegen, in etwas geringerem Ausmaß auch für Kreditnehmer durchschnittlicher Bonität.

Privatkundengeschäft kaum betroffen

Alle anderen Bedingungen für die Vergabe von Unternehmenskrediten - wie Sicherheiten, Höhe und Fristigkeit der vergebenen Kredite, die Zusatz- oder Nebenvereinbarungen sowie die Kreditnebenkosten - seien ebenfalls restriktiver gehandhabt worden.

Nur leicht verschärft worden seien die Kreditrichtlinien im Privatkundengeschäft - sowohl für Wohnbaufinanzierungen als auch für Konsumkredite. Allerdings seien die Zinsmargen für Kredite an private Haushalte ebenfalls angehoben, "und zwar nicht nur für risikoreichere Kredite", wie die OeNB in einer Aussendung hinzufügte.

Die im Herbst 2008 beschlossene staatliche Eigenkapitalzufuhr für die Banken sowie die Übernahme staatlicher Garantien für Bankschuldverschreibungen hatten laut Angaben der befragten Banken im vierten Quartal 2008 freilich erst sehr geringe Auswirkungen auf ihren Zugang zu großvolumigen Finanzierungen. (APA)

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