Musengeheuerliche Meisterübungen

5. Februar 2009, 21:15
posten

In "Musen.Meister.Monster", dem achten TQW-Programmfeld, wird jene Arbeit sichtbar, die hinter künstlerischen Leistungen steckt

Tänzer und ihre Lehrer stehen im Zentrum von offenen Workshops, Dokumentationen und Performances.


Ein lebhaftes Schattendasein im Tanzbetrieb führen Training und Lehre. Die Weitergabe von Technik, Gestenrepertoire und Ästhetik bleiben dem Zuschauer meist verborgen. Mathilde Monnier und Katrin Roschangar, die Programmverantwortlichen der "Insel Nr. 8", wollen dies für zwei spannende Wochen ändern und drehen den Spieß um: Trainingsmethoden werden zur Aufführung gebracht, Zuschauer zur Feldenkrais-Körperarbeit eingeladen, und die Interpreten Stephanie Cumming, Takako Suzuki und Lorenzo De Brabandere reflektieren ihre tänzerischen Biografien.

"Véronique Doisneau" heißt eine Hommage von Jérôme Bel an jene Balletttänzer der Pariser Opéra national, die nicht in der allerersten Reihe tanzen. Véronique Doisneau ist eben so eine, und in der Filmdokumentation Bels wird ihr Alltag als Tänzerin bewegend und humorvoll ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Ganz anders nähert sich Doris Uhlich, eine der zurzeit meistbeachteten österreichischen Choreografinnen, dem klassischen Ballett. In Spitze sind zwei Stars des Balletts in ungewohnter Weise zu erleben: Harald Baluch und Susanne Kirnbauer.

Über Klunchun und Khon

Mathilde Monnier und La Ribot blicken auf ganz unterschiedliche Tanzbiografien zurück, doch verbindet sie für ihr erstes gemeinsames Stück Gustavia das Interesse an der Burleske. Ein Dialog zwischen verschiedenen kulturellen Welten, zwischen Tradition und Zeitgenossenschaft, alten und neuen Praktiken nehmen Jérôme Bel und Pichet Klunchun in About Khon (Europapremiere) auf.

Von Klunchun ist in einer Masterclass zu erfahren, wie er von den Techniken des klassischen thailändischen Tanzes ausgehend zur modernen Form gelangte. Lisa Nelsons choreografischer Zugang beruht auf der Improvisation, wie sie in einem Open Showing demonstriert, während für Milli Bitterli Training, Proben und Aufführungen eine untrennbare Einheit bilden, was sie in ihrer Masterclass zur zeitgenössischen Körperarbeit weitergeben will. Ganz ohne Meister allerdings kommt die Open Jam aus: Alle Mitwirkenden sind Lehrende und Lernende zugleich. (Judith Helmer / DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2008)

 

Musen.Meister.Monster, 17. bis 30. April; Programm: www.tqw.at

  • Stephanie Cumming, eine Meistertänzerin, die ihren Choreografen Chris Haring als Muse nutzt, um jene Monster auf die Bühne zu bringen, die der Schlaf der Vernunft in dieser Gegenwart gebiert. Während der TQW-Insel hat sie sich als Muse verkleidet und berichtet in einer Lecture-Performance über "Redneck to Cyborg: A Shared Transformation", während etwa Mathilde Monnier sich in ihrem Workshop mit den Themen Reenactment und Plagiat befasst. 
 
 
    foto: baio

    Stephanie Cumming, eine Meistertänzerin, die ihren Choreografen Chris Haring als Muse nutzt, um jene Monster auf die Bühne zu bringen, die der Schlaf der Vernunft in dieser Gegenwart gebiert. Während der TQW-Insel hat sie sich als Muse verkleidet und berichtet in einer Lecture-Performance über "Redneck to Cyborg: A Shared Transformation", während etwa Mathilde Monnier sich in ihrem Workshop mit den Themen Reenactment und Plagiat befasst.

     

     

Share if you care.