O Haupt voll Blut und Wunden

5. Februar 2009, 20:57
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Alain Platel bearbeitet in "pitié!" Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion für das Tanzquartier

Der flämische Meisterchoreograf Alain Platel arbeitet sich, unterbrochen von kleineren Werken wie zuletzt in Wien Nine Fingers, nach dem legendären Mozart-Abend Wolf (2003) durch die Großwerke der abendländischen Sakralmusik. Auf Monteverdis Marienvesper (vsprs, 2005) folgt nun die Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach, mit der Platel und Les Ballets C de la B auf Einladung von Tanzquartier und Netzzeit in Wien gastieren.

In pitié!, wieder in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Fabrizio Cassol entstanden, ist das Thema des Mitleids zentral. Genauer: Platel und Cassol rücken das in der Matthäuspassion unterschlagene Moment des Mutterschmerzes angesichts des Opfertodes ihres Kindes in den Vordergrund. Man folgt nur lose und weniger opulent, als dies noch bei vsprs der Fall war, der Kreuzigungsgeschichte.

Die Choreografien nehmen Bezug auf Ikonografisches, doch bleibt das Religiöse zurückgestellt, vor allem zugunsten einer individuellen Frage: Warum wird Mitleid (das Mitleiden mit der Mutter) oft mit Herablassung benutzt, wo doch ein aufrichtiges und also gleichwertiges Mitfühlen zu erwarten wäre? - "Martern aller Arten, virtuos und mit schonungsloser Härte ausgestellt", urteilte die deutsche taz. (Margarete Affenzeller / DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2009)

 

 pitié! am 6. & 7. März im TQW, Halle E, 20.30

  • Matthäus, Passion und Mutterleid: Alain Platels Schmerzensmänner tauschen sich über das Dilemma von Maria aus, die ihren Sohn opfern muss, aber lieber ihr Leben für ihn geben würde. 
 
    foto: van der burght


    Matthäus, Passion und Mutterleid: Alain Platels Schmerzensmänner tauschen sich über das Dilemma von Maria aus, die ihren Sohn opfern muss, aber lieber ihr Leben für ihn geben würde.

     

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