Asterix lässt grüßen

5. Februar 2009, 20:20
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160 Einwohner, zwei Kirchen, eine freiwillige Feuerwehr und kein Gasthaus. Ein Dorf aus Unter­kärnten mischt Österreichs Volleyball kräftig auf

Aich/Dob - Die zweisprachige Ortschaft Aich/Dob in Unterkärnten ist ein Dorf wie viele andere Dörfer auch. Mit einem kleinen Unterschied. Die hier ansässige Mannschaft mischt im heimischen Volleyball ganz vorn mit. Spätestens seit dem 3:2-Auswärtssieg gegen die aon hotVolleys am Mittwoch ist aus dem ewigen Duell Wien gegen Tirol ein Dreikampf geworden. "Wir ernten jetzt die Früchte unserer konsequenten Arbeit", erklärt Manager Martin Micheu, die treibende Kraft hinter dem Kärntner Volleyball-Märchen. "Wenn Fußballer längst streiken, machen wir erst recht weiter. Unsere Spieler geben alles, selbst gebrochene Finger halten sie nicht vom Spielen ab."

Rund 300.000 Euro Budget stehen Micheu, selbst 17 Jahre in der obersten heimischen Liga und im Nationalteam aktiv, zur Verfügung. Das Budget von Liga-Krösus hotVolleys schätzt der 38-jährige Großbetriebsprüfer auf ein Drei- bis Vierfaches. "In dieser Saison haben wir unsere bescheidenen Mittel perfekt eingesetzt. Mit Rohdiamanten wie Topscorer Milan Bencz, der noch eine große Karrierre vor sich hat, und Routiniers wie Alexej Sanko passt der Mix perfekt", sagt Micheu.

Heimat, fremde Heimat

Heimspiele trägt der SK Posojilnica Aich/Dob im 15 Kilometer entfernten Prevalje in Slowenien aus. Die vereinseigene Halle mit 300 Zusehern Fassungsvermögen und dem martialischen Beinamen "Hölle des Südens" hatte den Anforderungen nicht mehr genügt. Im Frühjahr 2010 dürfte das Exil der Kärntner aber zu Ende sein, der Bau einer neuen Heimstätte gilt als fix. "Endlich bekommen wir eine Halle, die uns gerecht wird. Es war ein harter Kampf, ich habe schon selbst gar nicht mehr dran geglaubt", sagt Micheu.

Die Politik hat sich nicht übermäßig für Aich/Dob ins Zeug gelegt. Micheu: "Als zweisprachiger Verein mussten wir uns alles jahrelang erkämpfen. Wir sehen uns als Bindeglied zwischen den Volksgruppen. Die Politik in Kärnten agiert hier nicht zeitgemäß." In Österreichs Volleyball-Zampano Peter Kleinmann fand Aich/Dob aber einen einflussreichen Unterstützer. "Er ist wie ich ein Volleyballfanatiker", sagt Micheu. "Er hat uns immer geholfen und sich damit auch selbst einen gleichwertigen Gegner mit aufgebaut."

Damit hat der Manager der aon hotVolleys nun allerdings auch selbst seine liebe Not. Die jüngste Niederlage gegen Aich/Dob bezeichnete Kleinmann als "Schlag ins Gesicht". (akl; DER STANDARD, Freitag, 6. Februar 2009)

 

  • Aich/Dob steht für Volleyball-Leidenschaft.
    foto: aich/dob

    Aich/Dob steht für Volleyball-Leidenschaft.

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