Das Zugpferd ist wieder bei Kräften

5. Februar 2009, 20:14
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Am Wochenende geben Öster­reichs Kombinierer ihren Heim­weltcup. Christoph Bieler hat in Seefeld einen Erfolg zu verteidigen - und auch wieder nicht

Seefeld/Wien - Ist das Zugpferd krank, hat das Zeugl Probleme. So gesehen war es kein Wunder, dass Österreichs Kombinierer in dieser Saison lange Zeit bei Normalbewerben einem Podestplatz hinterhersprangen und liefen. Genau bis zum vergangenen Sonntag. Da musste sich Christoph Bieler in Chaux-Neuve, Frankreich, nur dem finnischen Weltcup-Führenden Anssi Koivuranta geschlagen geben. Und weil Bieler seit Felix Gottwalds Rücktritt als Zugpferd der ÖSV-Kombinierer gilt, ist zu erwarten, dass das Zeugl jetzt so richtig zu laufen beginnt.

"Gerade rechtzeitig", sagt Bieler. Schließlich steigt am Wochenende mit zwei Einzelbewerben der Weltcup in Seefeld ob Innsbruck, der nicht nur den Gastgebern als Generalprobe für die am 16. Februar anhebende nordische WM in Liberec gilt. "Nicht alle werden noch den Weltcup in Klingenthal am Wochenende vor der WM mitnehmen", glaubt Bieler. Also werde man in Seefeld schon ziemlich genau sehen, was Sache ist.

Einheit statt Sprint

Bieler wird sehen, ob er in Seefeld tatsächlich schon reif für die Wiederholung seines Vorjahrserfolges ist. Wobei, genau wiederholen kann der 31-jährige Tiroler gar nicht. Wird doch seit dieser Saison die Kombination nach dem Einheitsformat - ein Sprung plus 10-km-Langlauf - ausgetragen. 2008 hatte Bieler im zweiten Seefelder Sprint gewonnen, nach also 7,5 Kilometern in der Loipe.

Möglich, dass Bieler, gebe es den Sprint noch, in dieser Saison schon früher ein Podest bestiegen hätte. Möglich aber auch, dass er dann seiner Mattigkeit nicht genügend Beachtung geschenkt hätte. Die stellte sich vor allem bei Extrembelastung, also im Finish der Rennen ein, die jetzt eben um 2,5 km länger sind, als sie im alte Sprint waren. "Ich hatte ein verheerendes Blutbild, extremen Eisenmangel. Für einen Ausdauersportler ist das ganz schlecht." Bei Bieler wurde eine bakterielle Infektion festgestellt, die unter Einsatz von Antibiotika endlich ausgeheilt scheint.

Eigentlich hatte sich Bieler in Chaux-Neuve noch schonen wollen, nun ist er aber über Einsatz und Platzierung heilfroh. Denn Trainer Alexander Diess nominiert nach Seefeld das WM-Team. Sechs Mann wird er mitnehmen, jeweils vier kommen in den vier Bewerben (Groß-, Normalschanze, Massenstart, Team) dran. "Da war mein Spitzenergebnis schon wichtig", sagt Bieler.

Gut, also zum Teil mehrfach unter den Top Ten platziert waren wie er schon sieben ÖSV-Teamkollegen. Bernhard Gruber gelang sogar Rang zwei im Massenstart-Rennen von Val di Fiemme. Nur der erste Podestplatz in der Gundersen genannten und trotz neuem Modus klassischen Verfolgung blieb dem gesundeten Zugpferd vorbehalten. (Sigi Lützow;  DER STANDARD, Freitag, 6. Februar 2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Christoph Bieler ist gesundet.

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