Die Demut vor dem Berg

5. Februar 2009, 20:07
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Inspektion auf der Face de Bellevarde

"Das kriegen wir schon hin", sagen Fritz Strobl und Günther Mader unisono und schrauben an der Bindung, auf dass der Schuh hineinpasst. Strobl, Abfahrtsolympiasieger 2002, und Mader, Gewinner in allen Weltcup-Disziplinen und beispielsweise Abfahrts-Olympiadritter 1992 auf der Face de Bellevarde, mimen die Serviceleute für den Standard. Das erfüllt mit Stolz und Dankbarkeit.

"der Standard ohne Helm", bemerkt Österreichs Cheftrainer Toni Giger in der Gondel, die einen hinaufbringt auf die Face de Bellevarde. Das zwingt zur Reaktion: "Ich kauf' mir morgen einen."

Strobl, Kolumnist, und Mader, im Marketing von Salomon beschäftigt, erzählen von den Wapplern, die sie schon die Rennpisten dieser Welt hinuntergeleitet haben, von blutigen Gesichtern, von in Fangnetzen Zappelnden. Das macht Mut. Auf der im oberen Teil echt griffigen Piste trifft man in sich versunkene Rennfahrer und weniger versunkene wie Liechtensteins Marco Büchel, der hier nicht nur 1992 sportelte ("unter ferner liefen"), sondern bereits bei der Olympiageneralprobe 1991 dabei war. Als Sternderlfahrer.

Man trifft Trainer, man trifft Ärzte, man sieht hie und da die vorsorglich bereitgestellten Akijas, man erinnert sich, dass tags zuvor vier Personen den eisigen und urlangen Schlusshang hinuntergerutscht sind und sich bedienten. Und dass FIS-Renndirektor Günter Hujara einem riet, als man sich den Erlaubnisschein zur Inspektion abholte, sich bei der Versicherung nach den Bedingungen zu erkundigen.

Das verschafft Demut. Den Vorsichtigen gehört das Tal. Und bald einmal ein Helm. (bez; DER STANDARD, Freitag, 6. Februar 2009)

 

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