Das Schweigen der frommen Brüder

5. Februar 2009, 19:49
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Nach dem Fall Williamson meidet die Pius-Bruderschaft die Öffentlichkeit

Am Hauptplatz des Dorfes steht noch immer ein Christbaum. Der freundliche Marokkaner in der kleinen Bar serviert den Kaffee mit piemontesischem Akzent. Viel hat sie nicht zu bieten, die 900-Seelen-Gemeinde Montalenghe im Hügelland nördlich von Turin. Auch das alte Seminar mit seinem bröckelnden Verputz gehört nicht unbedingt zu jenen Sehenswürdigkeiten, die in Erinnerung bleiben.

Besuchern begegnet man dort ohnedies misstrauisch - mit Ausnahme jener, die sonntags mit Autobussen zur lateinischen Messe anreisen. Don Luigi Moncalero schließt rasch das eiserne Tor. Nein, versichert er, zu sagen habe er nichts. Schweigen sei angesagt: "È il momento del silenzio". Das Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit haben die Piusbrüder noch nie geliebt. Sie seien "nicht gerade expansiv", schmunzelt Bürgermeister Valerio Grosso. Als Schulbub habe man ihm Marcel Lefebvre als prominenten Gast gezeigt. "Damals gab es noch Katechismuskurse und Sommerlager. Heute sieht man sie kaum." Manchmal kauft ein Geistlicher im kleinen Supermarkt ein. Zwischendurch kommt Mario Borghezio zu Besuch, der wegen rassistischer Übergriffe verurteilte Europaparlamentarier der Lega Nord, der unter anderem auch an Jörg Haiders Beerdigung teilgenommen hat.

Rechte Konzil-Zweifler

Gesprächig zeigen sich die frommen Piusjünger nicht. Weder in Montalenghe noch an ihrem Hauptsitz in Albano Laziale bei Rom, noch im Seminar in Rimini. Seine handfesten Zweifel am Konzil allerdings will der dortige "Prior" Pierpaolo Petrucci nicht verheimlichen. Das Konzil habe "alles infrage gestellt, was die Kirche vorher gelehrt" habe. Auch seine Ansicht über das Gebet des Papstes in der Moschee in Istanbul hält Petrucci nicht zurück: "Ein Skandal." Und die Äußerungen seines Mitbruders Don Floriano Abrahamovicz über die Gaskammern, die "nur der Desinfektion" gedient hätten? "Missverständnis, Fehlinterpretationen" beschwichtigt der Prior. Völkermord hält Abrahamovicz, der die Wähler der Lega Nord als "gesundes Volk" preist und für deren Parteiführer gern lateinische Messen liest, "an und für sich nicht für verwerflich".

Die Distanzierung der Bruderschaft von seinen Worten ist eine von vielen Beschwichtigungen dieser Tage. Nun wollen die frommen Traditionalisten offenbar ein Abflauen der medialen Aufmerksamkeit abwarten. An ihren Überzeugungen aber halten sie unbeirrbar fest. Der eben rehabilitiere Bischof Bernard Tissier de Mallerais: "Wir wollen unsere Positionen nicht ändern, sondern Rom bekehren." (Gerhard Mumelter aus Rom/DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2009)

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