"Witwentröster" ergaunerte 370.000 Euro: Drei Jahre Haft

5. Februar 2009, 19:47
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Vier Wienerinnen glaubten "Andreas Ferrara" und überließen ihm ihr Vermögen - Urteil rechtskräftig

Wien  - Ein Hochstapler, der sich auf allein stehende, vermögende ältere Frauen "spezialisiert" und seinen Opfern insgesamt 370.000 Euro abgeknöpft hatte, ist am Donnerstag im Wiener Straflandesgericht wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Ein Jahr verhängte der Schöffensenat (Vorsitz: Eva Brachtel) unbedingt, der Rest wurde dem Mann unter Setzung einer dreijährigen Probezeit bedingt nachgesehen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Der 58-Jährige dürfte in noblen Kaffeehäusern und Hotel-Bars gezielt nach potenziellen Opfern Ausschau gehalten haben. Erblickte er eine einsame Dame im Pelz, trat er an sie heran, stellte sich als "Andreas Ferrara" vor und begann ein Gespräch.

"Ich habe einen Hund. Das ist natürlich ein wunderbarer Anknüpfungspunkt", erinnerte sich eine der Geschädigten an das Kennenlernen im Hotel Marriott.

Stets gab sich der Mann als wohlhabender sizilianischer Schmuckhändler und Diamantenschleifer aus. Er berichtete von seinen Geschäften in London und Johannesburg, die ihm Millionen einbringen würden. Die gut situierten, teilweise erst seit kurzem verwitweten Frauen erfreuten sich der anregenden Gesellschaft und goutierten die edle Kleidung, teuren Uhren und feinen Manieren des Galans. Nur die auffallend schlechten Zähne schienen nicht zu seinem Äußeren zu passen. Dahingehende Fragen pflegte er damit zu beantworten, er habe Angst vor dem Zahnarzt.

Vier Wienerinnen im Alter zwischen 60 und 68 fielen auf den Schwindler herein. Nachdem er mit jeder von ihnen auch intim geworden war, begann er sie um Geld "anzupumpen": Für eine Schmucklieferung seien Zollgebühren bzw. eine Kaution fällig, er aber leider momentan nicht liquid. Eines der Opfer übergab ihm umgehend über 200.000 Euro. "Fragen Sie mich nicht warum", meinte sie nun im Zeugenstand. Der vermeintliche Italiener - in Wahrheit stammt der Mann aus der Slowakei und hat keinen Job - habe ihr leidgetan. Sie habe ihm "alles" geglaubt und gedacht, es handle sich nur um einen vorübergehenden finanziellen Engpass.

Sobald er seine Opfer "gerupft" hatte, war der 58-Jährige telefonisch nicht mehr erreichbar. "Ja, ich bin schuldig! Ich kann mich nur entschuldigen bei den Damen. Aber sie waren alle sehr leichtgläubig", verantwortete sich der Angeklagte. Sein Verteidiger Peter Philipp überreichte den Zeuginnen jeweils mehrere 1.000 Euro an Schadensgutmachung - offenbar hatte die Familie des Betrügers zusammengelegt, um ein möglichst mildes Urteil zu erwirken.

Die Rechnung ging auf. "Danke, gnädige Frau", bedankte sich der Mann bei der Vorsitzenden für die verhängte Strafe. Theoretisch hätten ihm bis zu zehn Jahre Haft blühen können. (APA)

 

 

 

 

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