Der weiße Ritter auf der Harley

5. Februar 2009, 19:35
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Warren Buffett rettet Firmen und verdient gut daran

Warren Buffett, aktuell der reichste Mann der Welt mit einem geschätzten Vermögen von 62 Milliarden Dollar, ist auf einer besonderen Einkaufstour. In der Rezession gibt sich der US-Investor staatsmännisch und rettet eine US-Traditionsmarke nach der anderen. Erst am Dienstag kam er Harley-Davidson mit 300 Millionen Dollar zu Hilfe. Zuvor hat er dem größten Energiekonzern, General Electric, und dem Süßigkeitenhersteller Mars unter die Arme gegriffen.
Auch bei diesen neuesten Beteiligungen bleibt Buffett seinem Investment-Motto treu: "Kaufe nur Investments, die du verstehst" - Motorräder und Schokoriegel fallen offenbar in diese Kategorie.
Als Sechsjähriger hatte er Kaugummis und Coca-Cola-Flaschen verkauft, um seine ersten Dollar zu verdienen. Heute besitzt der 1930 in Omaha in Nebraska als Sohn eines Aktienhändlers und republikanischen Kongressabgeordneten geborene Buffett Anteile an Coca-Cola und dem neu fusionierten Mars/Wrigley-Konzern. Mit dem Fokus auf einfache Anlagen hat der Aktienflüsterer seit 1965 das Geld seiner Anleger um das 4000-fache gesteigert.
Doch auch für Buffetts Konglomerat Berkshire Hethaway ziehen jetzt dunkle Wolken auf. In seinem alljährlichen Brief an die Aktionäre, der für diese einem kirchlichen Hirtenbrief gleichkommt, warnte er vor dem Risiko, das in der Versicherungssparte seines Unternehmens schlummerte. Das "Orakel von Omaha" , wie er auch genannt wird, sagte für 2008 das "Ende der Party" voraus.
Buffett hat recht behalten. Jetzt braucht der Schweizer Rückversicherer Swiss Re fünf Milliarden Franken Kapital, umgerechnet 3,35 Milliarden Euro, um Bilanzlöcher zu stopfen. Buffett springt mit drei Milliarden Franken ein. Der Grund: Verluste bei komplexen Wertpapieren. Dabei hat gerade Buffett, der nach der Kapitalspritze bis zu 20 Prozent an Swiss Re halten könnte, solche Papiere als "finanzielle Waffen der Massenzerstörung" bezeichnet. Buffett ist aber kein Samariter: Er lässt sich seine Feuerwehraktionen stets mit hohen Renditen abgelten - nicht zuletzt auch bei der Rettung der Investmentbank Goldman Sachs.
Trotz des relativen Erfolges in der Krise hat auch Buffetts weiße Investorenweste Kleckse abbekommen. Der Aktienkurs seiner Firma, in der ein Gros seines Vermögens steckt, ist wegen Versicherungsinvestments um mehr als 40 Prozent gefallen. Es ist daher fraglich, ob er 2009 - vor Mexikos Telekom-Zar Carlos Slim und Microsoft-Gründer Bill Gates - der Allerreichste bleibt.  (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.2.2009)

 

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