Letztes Aufbäumen gegen "Tarnkappenbomber"

5. Februar 2009, 18:03
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Die Bürgerinitiativen "Josefinisches Erlustigungskomitee" und "Freunde des Augartens" kämpfen weiter gegen das Konzerthaus der Wiener Sängerknaben

Wien - Sie wollen es einfach nicht akzeptieren. Dabei ist es so gut wie fix: Der "Konzertkristall" , das Konzerthaus der Wiener Sängerknaben, wird im Wiener Augarten gebaut. Die Bürgerinitiativen "Josefinisches Erlustigungskomitee" und "Freunde des Augartens" appellierten am Donnerstag dennoch erneut an das Bundesdenkmalamt, dem Verein Wiener Sängerknaben die Genehmigung doch nicht zu erteilen. Grund ihrer Hoffnung: Schriftlich gibt es vom Bundesdenkmalamt noch keinen positiven Bescheid.

"Wir sind der Meinung, dass das Objekt im denkmalgeschützten Augarten keinen Platz hat" , sagt Eva Hottenroth, Sprecherin der Augarten-Freunde. Ihre Mitstreiterin Raja Reichmann vergleicht den Bau sogar mit einem "Tarnkappenbomber" , der das denkmalgeschützte Ensemble buchstäblich zerstören werde. "Der gesamte Augarten ist ein Denkmal" , sagt ein Jurist, den die Initiativen hinzugezogen haben. Wenn das Denkmalamt einmal nachgebe, werde sich künftig jeder auf das Gleichheitsgesetz berufen und versuchen, den Denkmalschutz zu umgehen.

Gesindehaus gerettet

Auch wenn sie sich keine Chancen ausrechnen, den Bau verhindern zu können - einen kleinenSieg haben die Initiativen immerhin errungen: Sie brachten die Planer des Konzertsaales dazu, das ursprüngliche Modell umzugestalten. Denn dieses hatte den Abriss des Gesindehauses vorgesehen, womit das Denkmalamt anfangs auch einverstanden war. Nach Protesten musste die Entscheidung aber revidiert werden, denn wie sich herausstellte, stand das Pförtnerhäuschen doch unter Denkmalschutz. Im jetzigen Modell des 380-Plätze-Saales wurde es eingeplant.

Die Bundesgärten, zu ihnen gehört der Augarten, unterstehen dem Lebensministerium. Laut Elisabeth Hudritsch, Referentin des Bundesdenkmalamtes, steht dem "Konzertkristall" nichts im Wege: "Wir werden die Genehmigung in ein bis zwei Monaten erteilen." Würde das Denkmalamt einen negativen Bescheid erstellen, könnte das Kulturministerium die Entscheidung überstimmen und den Bau trotzdem genehmigen. Einmal ist das schon geschehen: Das Kulturministerium hat 2002 beim Umbau der Albertina das Denkmalamt umgangen. (Marijana Miljković, DER STANDARD - Printausgabe, 6. Februar 2009)

  • Das "Josefinisches Erlustigungskomitee" und die "Freunde des Augartens"
haben mit dem  Konzerthaus der Wiener Sängerknaben, der im Augarten
entstehen soll, nach wie vor wenig Freude.
    foto: standard/robert newald

    Das "Josefinisches Erlustigungskomitee" und die "Freunde des Augartens" haben mit dem  Konzerthaus der Wiener Sängerknaben, der im Augarten entstehen soll, nach wie vor wenig Freude.

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