Daniel Kehlmanns "Ruhm" wird Gerichtsfall

5. Februar 2009, 17:59
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Bericht über neuen Roman vor dem Erstverkaufstag: Rowohlt-Verlag reicht Klage gegen den "Spiegel" ein

Hamburg - Der Rowohlt Verlag hat Klage gegen das Nachrichtenmagazin "Spiegel" eingereicht - wegen einem Bericht über Daniel Kehlmanns neuen Roman "Ruhm", der zwei Wochen vor dem Erstverkaufstag erschienen ist. "Wir haben Klage beim Landgericht Hamburg eingereicht, weil der 'Spiegel' sich nicht an die Verabredung gehalten hat und eine außergerichtliche Einigung nicht zustande kam", bestätigte eine Rowohlt-Sprecherin am Donnerstag entsprechende Medienberichte: "Der 'Spiegel' hat eine Rezension veröffentlicht, obwohl ein Porträt, beziehungsweise ein Interview verabredet war".

Rowohlt wirft dem "Spiegel" vor, sich nicht an die Sperrfrist gehalten zu haben. Zwei Wochen vor dem Erstverkaufstag erschien ein Kehlmann-Porträt, das Rowohlt zufolge Züge einer Rezension trägt. Der "Spiegel" sieht das anders. "Das war ein Porträt und keine Rezension", sagte ein "Spiegel"-Sprecher. Die Sperrfrist habe sich nur auf eine Rezension bezogen, nicht auf ein Porträt.

"Zeichen setzen"

Rowohlt will mit dem Gang vor Gericht "ein Zeichen setzen". "Das sind wir unseren Kunden, den Buchhändlern, schuldig, die in einer unangenehmen Situation stecken, wenn der Kunde mit der Besprechung in der Hand in den Laden kommt, aber das Buch noch gar nicht zu haben ist", sagte der Rowohlt-Vertriebschef dem "Börsenblatt".

Der "Spiegel" hatte keine Vertraulichkeitserklärung unterschrieben. Darin verpflichten sich Kritiker, den Inhalt eines Buches beziehungsweise dessen Bewertung nicht vor dem Erstverkaufstag zu veröffentlichen. Verstöße sehen eine Konventionalstrafe in Höhe von 250.000 Euro vor. Jetzt müssen die Richter entscheiden, wie viel Inhalt und Wertung ein Schriftsteller-Porträt beinhalten darf, das kurz vor Erscheinen eines neuen Buches veröffentlicht wird. (APA/dpa)

 

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