Werbeverbot für ORF "indiskutabel"

5. Februar 2009, 17:51
58 Postings

Medienstaatssekretariat für duales System, Markt mit Frankreich nicht vergleichbar - Französisches Staats-TV bis 2011 völlig werbefrei

Mit dem Absegnen des französischen Senats ist die umstrittene Rundfunkreform nun endgültig Realität: Frankreichs Staatsfernsehen wird bis 2011 völlig werbefrei. Schon seit 5. Jänner gibt es Werbung erst ab 20 Uhr.

Ist ein solches Modell auch in Österreich vorstellbar? Für "indiskutabel" hält es der ORF-Betriebsratschef Gerhard Moser. Auch für Medienstaatssekretär Josef Ostermayer ist ein werbefreies ORF-Programm keine Option. Die Regierung bekenne sich zum dualen System, sagt Ostermayers Sprecher Marcin Kotlowski. Dieses sei für den ORF "möglichst abzusichern", um "eine gesunde Finanzierung aufrechtzuerhalten". Die Vergleichbarkeit der beiden Märkte sei aufgrund der viel höheren Seherzahlen in Frankreich ohnedies nicht gegeben, sagt Kotlowski zum STANDARD.

Ausgleichszahlungen

Frankreichs Staatsfernsehen verliert rund 760 Millionen Euro an Werbeeinnahmen. Das müssen zum einen die Gebührenzahler ausgleichen, indem sie statt 116 Euro künftig 120 Euro jährlich fürs Fernsehen zahlen. Das reicht allerdings für nicht einmal die Hälfte des Finanzbedarfs, deshalb muss andererseits die Privatwirtschaft einspringen. Steuern auf Telekommunikationsunternehmen sollen den Rest besorgen. "Da würden sich die österreichischen Privaten schön freuen", mutmaßt ein Branchenkenner.

Mit der Rundfunkreform sichert sich Sarkozy zudem den direkten Zugriff auf das Staatsfernsehen, indem er die Direktoren des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und Hörfunks bestimmen und wieder entlassen kann. Die SPÖ wünscht sich Gerhard Zeiler als Nachfolger von Alexander Wrabetz. Der lehnte dem Vernehmen nach ab, weil ihm völlige Handlungsfreiheit nicht zugesagt wurde.

Mit dem Werbeverbot will Sarkozy "Quotenabhängigkeit" verringern. Auf Österreich umgelegt bliebe die Variante, ORF 2 als öffentlich-rechtlichen Kernsender ein Werbeverbot aufzuerlegen und ORF 1 Freiheit zu lassen. Auch dagegen ist der Betriebsratschef: "Der ORF ist mit Radios, Internet und Fernsehauftritten als ganzes Medium zu sehen", erteilt Gerhard Moser Spekulationen eine klare Absage. Nicht müde wird der ORF außerdem, auf das spezielle deutschsprachige Umfeld zu verweisen. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2009)

  • Medienstaatssekretär Josef Ostermayer: Für die Regierung ist ein
werbefreies Staatsfernsehen wie in Frankreich unvorstellbar.
    foto: standard/corn

    Medienstaatssekretär Josef Ostermayer: Für die Regierung ist ein werbefreies Staatsfernsehen wie in Frankreich unvorstellbar.

Share if you care.