"Dörfler hat beim Witzeerzählen die Metaebene nicht"

5. Februar 2009, 18:00
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Der Spitzenkandidat der Kärntner Grünen, Rolf Holub, bedauert den Abgang von Voggenhuber und will drittes Landtags-Mandat

Standard: EU-Parlamentarier Johannes Voggenhuber ist an seiner Partei gescheitert. Schade um ihn?

Holub: Die Ressource Voggenhuber nicht zu nutzen, ist für mich keine Lösung. Das Problem war nicht seine Solidaritätskandidatur, es waren die Ängste, dass er vielleicht die Liste umgedreht hätte. Dann wäre der Letzte der Erste gewesen. Die Frage ist, ob man in Angst oder in der Wirklichkeit leben will.

Standard: Hat der Riss bei den Bundes-Grünen Einfluss auf die Kärntner Wahl?

Holub: Das glaube ich nicht. Ich denke, dass wir unsere bisherigen sechs Prozent im Kärntner Landtag auf acht Prozent steigern und ein drittes Mandat erreichen können. Wir treten auch in 23 Gemeinden zur Gemeinderatswahl an, in einigen wieder zusammen mit der slowenischen Einheitsliste.

Standard: Die Grünen sehen sich als Kontrollpartei. Was sind die größten Probleme Kärntens?

Holub: Die Landesfinanzen, bei denen alle die Orientierung verloren haben, und die Spitalsfinanzierung, die komplett aus dem Ruder läuft. Eigentlich müsste das BZÖ-Finanzressort sofort besachwaltet werden. Kärnten hat die 18-fache Verschuldung Kaliforniens. Dort hat man den Notstand ausgerufen.

Standard: Wer wird in Kärnten Landeshauptmann?

Holub: Das ist eine spannende Frage. Ich glaube, dass die SPÖ das BZÖ überholen kann.

Standard: Welchem Landeshauptmann-Kandidaten könnten die Grünen ihre Stimme geben?

Holub: Ich kann mir alles vorstellen, bis auf die Kandidaten von BZÖ und FPÖ, Gerhard Dörfler und Mario Canori.

Standard: Sie sind im_Brotberuf Kabarettist. Was sagen Sie zum Witze_erzähler Gerhard Dörfler?

Holub: Nicht alles, was komisch ist, ist auch lustig. Dörfler hat beim Witzeerzählen die Metaebene nicht. Das ist zu schwierig für ihn.

Standard: Dörfler spricht von einem harmlosen „Kakaowitz". Nicht einmal der angesprochene schwarze Sänger Roberto Blanco regt sich auf.

Holub: Natürlich war sein „Negerwitz" rassistisch gemeint. Es fehlt ja nur noch, dass er „Bimbo" zu einem Schwarzen sagt. Das Niveau unserer Politiker im Umgang mit Menschenrechten, Rassismus, Demokratie und Rechtsstaat ist erschreckend tief. So etwas wäre außerhalb Österreichs undenkbar. Dasselbe gilt für Dörflers Drittes-Reich-Floskeln wie das „gesunde Volksempfinden" in der Ortstafelfrage.

Standard: Steht in Kärnten die Demokratie auf schwachen Beinen?

Holub: Die Instrumente wären da, etwa mit Untersuchungsausschüssen. Die Kontrollrechte des Landtags müssten aufgewertet werden. Auch der Rechnungshof müsste mehr Befugnisse bekommen; was er nicht aufgreifen darf, gibt es nicht.

Standard: Sie haben sich als einziger Politiker der „Saualm-Flüchtlinge" angenommen.

Holub: Ja, leider. Bei Dörfler gilt der Rechtsstaat für Asylwerber nicht. Er allein bestimmt, wer schuldig ist, er verurteilt und bestraft auch gleich. Heute betrifft das Ausländer, morgen können das auch Inländer sein. Dass SPÖ und ÖVP zusehen, wie der Rechtsstaat ausgeblutet wird, bestürzt mich.

Standard: Leute, die sich der obdachlosen Saualm-Flüchtlinge angenommen haben oder sich der verordneten Haider-Trauer nicht unterordnen, werden angepöbelt.

Holub: Auch ich bin bedroht worden, habe böse Briefe, Anrufe und E-Mails erhalten. Warum das so ist, ich versteh es nicht, was bös daran ist, wenn man jemandem hilft, der Tuberkulose hat oder Hepatitis.

Standard: Gibt es in Kärnten mehr Fremdenhass als anderswo?

Holub: Ich glaube, dass dieser Hass gezielt erzeugt wird, um Wahlen damit zu gewinnen. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2009)

Zur Person: Rolf Holub (52) ist Landessprecher und Spitzenkandidat der Kärntner Grünen. Er sitzt seit 2004 im Landtag und ist im Zivilberuf Kabarettist, Musiker und Schauspieler.

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    Rolf Holub will im Landtag an Stimmen zulegen.

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