Erstes Urteil im "Fall Josef F." zugunsten der Ehefrau

5. Februar 2009, 17:39
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News-Verlag wurde wegen reißerischer und sensationslüsterner Berichterstattung nicht rechtskräftig verurteilt

Wien - Der erste Prozess rund um die Familie von Josef F., der in Amstetten seine Tochter 24 Jahre in einem Keller gefangengehalten, missbraucht und mit ihr sieben Kinder gezeugt haben soll: Die Ehefrau des 73-Jährigen hatte vom News-Verlag für mehrere in News und Woman erschienene Artikel wegen "Verletzung ihres höchstpersönlichen Lebensbereichs" eine Entschädigung von insgesamt 260.000 Euro verlangt.

Laut Richterin Bettina Körber habe etwa ein Artikel in News "Detailschilderungen aus dem Familienleben" enthalten, "die lediglich die Sensationslust des Lesers befriedigen sollten" . Gewisse Formulierungen seien darauf gerichtet gewesen, die Frau öffentlich bloßzustellen. Zwei Artikel in Woman wiederum seien "zu reißerisch aufgemacht" gewesen und hätten "die psychische Befindlichkeit der Ehefrau ausgebreitet".

Körber sprach daher der Ehefrau von Josef F. eine Entschädigung von 11.000 Euro zu - also nur einen Bruchteil der eingeklagten 260.000 Euro. Gerald Ganzger, der Rechtsvertreter des News-Verlags, meldete dessen ungeachtet volle Berufung gegen das Urteil an.

Heute, Freitag, werden in diesem Zusammenhang im Wiener Landesgericht auch Veröffentlichungen im deutschen Nachrichtenmagazin Spiegel und auf Spiegel Online behandelt. Martina Gaspar, die Anwältin der Ehefrau, sagte, man habe nur die gravierendsten Verstöße eingeklagt.

Die Prozesse werden aus Gründen des Opferschutzes unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt: Es dürfen also keine Details der Verhandlung an die Öffentlichkeit gelangen. Gleiches wird für den Prozess gegen Josef F. selbst gelten, der am 16. März in St. Pölten beginnt. (APA, frei, DER STANDARD - Printausgabe, 6. Februar 2009)

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