Schweden will neue Atomreaktoren bauen

6. Februar 2009, 14:23
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Drei Jahrzehnte nach Volksabstimmung sagt Regierung wieder "Ja" zu neuen Reaktoren - Argument: Klimawandel und unsichere Energieversorgung

Stockholm - Die schwedische Regierung will fast 30 Jahre nach dem Beschluss zum Atomausstieg wieder neue Kernkraftwerke bauen. Die Mitte-Rechts-Koalition von Ministerpräsident Frederik Reinfeldt erklärte am Donnerstag, neue Atomreaktoren seien notwendig, um den Kampf gegen den Klimawandel zu unterstützen und den Energiebedarf des skandinavischen Landes zu decken. Das Parlament muss den Plänen allerdings noch zustimmen.

Die Opposition im Stockholmer Reichstag aus Sozialdemokraten, Grünen und der Linkspartei kündigten massiven Widerstand gegen die Erneuerungspläne für die Atomindustrie an. Die sozialdemokratische Parteichefin Mona Sahlin sagte: "Man kann die Atomkraft in dem Tempo abwickeln, in dem man erneuerbare Energien einführt. Arbeitnehmer müssen dabei nicht um ihre Jobs fürchten."

Der Chef der staatlichen Energiebehörde, Tomas Kaberger, sagte am Freitag gegenüber der Zeitung "Dagens Nyheter", Schweden werde für "einige Jahrzehnte" über mehr als genug Elektrizität verfügen. Deshalb sehe er keinen Grund, jetzt eine Entscheidung über die Zukunft der Kernenergie zu treffen.

Referendum

Nach einem nicht bindenden Referendum im Jahr 1980 hatte das Parlament beschlossen, die Nutzung der Atomenergie auslaufen zu lassen. Bisher wurden allerdings nur zwei der insgesamt zwölf Reaktoren abgeschaltet. Die restlichen zehn liefern rund 50 Prozent der Energie Schwedens. Sie sollten nun durch neue Kraftwerke ersetzt werden, erklärte die Regierung in Stockholm.

"Ich tue das um meiner Kinder und Enkel willen", sagte die Politikerin Maud Olofsson von der Zentrumspartei (CP). "Ich kann mit der Tatsache leben, dass Atomenergie in absehbarer Zukunft Teil unseres Systems zur Stromversorgung wird." Die CP hatte sich nach langem Widerstand gegen die Kernenergie zu einem Kompromiss innerhalb der Koalition bereiterklärt.

Nach den neuen Regierungsplänen können altersbedingt vor der Abschaltung stehende Reaktoren jeweils durch neue ersetzt werden. Dabei erklärte der liberale Parteichef und Ausbildungsminister Jan Björklund ausdrücklich, die neuen Reaktoren könnten über eine höhere Leistung verfügen als die alten. Neubauten sollen ohne staatliche Subventionen rein privat finanziert und betrieben werden.

Erneuerbare Energien

Reinfeldts Mitte-Rechts-Regierung will in Zukunft auch massiv auf den Ausbau von Windkraft und anderen erneuerbaren Energien setzen. Sie sollen bis 2020 rund 50 Prozent von Schwedens Energieerzeugung ausmachen. Reinfeldt erklärte, mit diesen Grundsatzentscheidungen verpflichte sich Schweden auf die Reduzierung der Emission von Treibhausgasen um 40 Prozent bis 2020.

Der konservative Regierungschef sagte bei der Vorstellung der Pläne: "Wir gehen weiter als andere und zeigen auch mehr Führungskraft." Er begründete die Beibehaltung der Atomenergie und den Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energien auch mit der derzeitigen Wirtschaftskrise. Die Regierung setze nun "ein Zeichen der Hoffnung" und gebe auch an Europa wichtige Signale, ehe Schweden im zweiten Halbjahr die EU-Ratspräsidentschaft übernehme.

Meinungsumfragen in Schweden ergaben in letzter Zeit eine zunehmende Unterstützung für die Nutzung von Atomenergie. Auch Großbritannien, Frankreich und Polen planen den Bau von Kernkraftwerken. In Finnland ist derzeit der erste Europäische Druckwasserreaktor (EPR) in Bau. Er soll nach derzeitigem Fahrplan mit drei Jahren Verspätung 2012 in Betrieb gehen. (APA/dpa)

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