Dollar für das Volk

5. Februar 2009, 14:40
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Ein geheimnisvoller Wohltäter verschenkt in New York Geld an Bedürftige, ganz selbst­los ist die Aktion nicht

New York - Seine wahre Identität rückt er nicht heraus - dafür aber jede Menge Dollar: Ein "Bailout Bill" genannter Unbekannter verschenkt in Zeiten der Wirtschaftskrise mitten in New York Geld an Bedürftige. Der Wohltäter, der sein Gesicht unter einer Strickmütze und hinter einer Sonnenbrille versteckt, verteilte das Geld am Mittwoch (Ortszeit) in einer von Bodyguards geschützten Kabine - der "Bailout Booth" - am berühmten Times Square. Hunderte Menschen warteten bei Eiseskälte bis zu fünf Stunden lang, um einen oder mehrere 50-Dollar-Scheine von Bill zu ergattern.

Geldnöte wegen der Krise

Viele der New Yorker in den Warteschlangen stecken nach eigener Aussage wegen der Finanzkrise in Geldnöten - so wie der 25-jährige Leon McNeil, der seinen Job im Kaufhaus Macy's verlor. Ihm steckte "Bailout Bill" 50 Dollar zu. "Ich bin sehr dankbar, einen Teil davon gebe ich wohl meiner Mutter", sagte der junge Mann. Zunächst habe er die Geschichte von Bills Geldschalter nicht glauben können, erzählt er. Dann habe er sich aber gedacht, "hey, das hier ist New York".

Nicht ganz selbstlos

Hinter "Bailout Bill" verbirgt sich jedoch mehr als nur ein selbstloser Wohltäter. Sein Auftritt ist zum Teil auch ein PR-Trick, um für eine neue kommerzielle Website zu werben, www.bailoutbooth.com. Internet-Surfer können dort Dienstleistungen oder ihr Hab und Gut anbieten und Anzeigen schalten. Zugleich wolle "Bailout Bill" aber den ganz normalen US-Bürgern unter die Arme greifen, genauso, wie die US-Regierung dies für Banken und andere Konzerne tue, sagte Sprecher Drew Tybus. Weshalb "Bailout Bill" als Name des mysteriösen Wohltäters durchaus Sinn macht, denn mit der "Bailout Bill" sind auch die Konjunktur-Rettungspläne der US-Regierung gemeint.

Wohltätigkeitsreise

Nach New York stehen die Hauptstadt Washington, Boston und Philadelphia auf dem Reiseplan von "Bailout Bill", 500.000 Dollar sollen verschenkt werden. Wer wirklich unter der Strickmütze steckt, wollte Sprecher Tybus nicht verraten: "Ein viel zu großes Risiko", meint er: "Jeder weiß, dass er Geld hat, deshalb könnte ihm etwas passieren." Und flugs schiebt Tybus noch eine Warnung hinterher: "Die Wachleute, die am Geldschalter und in der Kabine stehen, das sind Polizisten, die gerade frei haben. Und die sind bewaffnet." (APA)

 

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