Bad Bank im Gespräch

5. Februar 2009, 14:29
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Commerzbank und Hypo Real Estate prüfen eine gemeinsame Lösung für das Geschäft mit Staatsfinanzierungen

Frankfurt - Commerzbank und Hypo Real Estate (HRE) prüfen nach Medienberichten eine gemeinsame Lösung für das derzeit schwierige Geschäft mit Staatsfinanzierungen. Nach Informationen des "Handelsblattes" laufen Gespräche zwischen den Banken und der Bundesregierung. Dabei gehe es darum, Teile der Commerzbank-Tochter Eurohypo und der HRE zusammenzulegen. Die Idee einer gemeinsamen Bad Bank für die Commerzbank und die HRE werde sowohl im Kanzleramt als auch im Finanzministerium verfolgt, schrieb die "Financial Times Deutschland".

Commerzbank, an der der Staat 25,1 Prozent hält, und HRE wollten die Berichte nicht kommentieren. Laut "Handelsblatt" ist es Ziel einer gemeinsamen Bank, die Bilanzen von Commerzbank und HRE von den risikoreichen Papieren ihrer Töchter zu befreien, die sich auf Staatsfinanzierungen spezialisiert haben. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Die HRE hatte in den ersten neun Monaten 2008 mehr als drei Mrd. Euro abschreiben müssen. Das Hauptproblem der HRE sind allerdings nicht faule Wertpapiere wie bei vielen anderen Banken, sondern mangelnde Liquidität. Ihr droht die Pleite, weil ihre Tochter, die Pfandbriefbank Depfa, langfristige Kredite kurzfristig refinanziert hatte und dieses riskante Modell mit der Finanzmarktkrise und dem Austrocknen der Kapitalmärkte zusammengebrochen ist. Nur mit Staatsbürgschaften kommt sie noch an Geld für ihr Geschäft. Wegen der hohen Verluste braucht sie jetzt dringend frisches Eigenkapital zum Überleben.

Problematischer Bereich

Die Commerzbank hatte den Immobilien- und Staatsfinanzierer Eurohypo 2005 für insgesamt 4,56 Mrd. Euro übernommen und dafür zunächst viel Lob von ihren Aktionären erhalten. Seit der Verschärfung der Finanzmarktkrise gilt jedoch insbesondere der Bereich der Staatsfinanzierung als problematisch. Staatsanleihen und Kommunalkredite aus Ländern wie Italien oder Griechenland hätten so hohe Verluste eingefahren, dass Banken wie die Eurohypo in den roten Zahlen stecken dürften, schrieb das "Handelsblatt". Die niedrigen Marktwerte für solche Papiere erzwängen Abschreibungen in den Bilanzen.

Voraussetzung für die Gründung einer neue Bank ist den Berichten zufolge die Verstaatlichung der HRE. "Erst wenn der Staat eine deutliche Mehrheit an der HRE hält, lässt sich in einem nächsten Schritt über die Zusammenlegung von Eurohypo und Depfa entscheiden", zitierte das "Handelsblatt" eine mit den Gesprächen vertraute Person.

Die Regierung hat bisher noch nicht über Nachbesserungen am Banken-Rettungsschirm und eine Verstaatlichung schwächelnder Geldhäuser entschieden. Nach einem Spitzentreffen im Kanzleramt verabredete Regierungschefin Angela Merkel mit ihren Ministern am Mittwoch lediglich weitere Prüfungen und Beratungen.

Merkels Sprecher Ulrich Wilhelm sagte, ein Gesetzentwurf werde erst "in einigen Wochen" vorgelegt. Das Finanzmarktstabilisierungsgesetz (FMstG) solle dabei nicht grundlegend geändert, sondern nur punktuell verbessert werden. (APA)

 

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