Strafdrohungen verhindern "entsetzliche Tortur" nicht

5. Februar 2009, 14:28
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Prammer will Aktionsplan bis 2011 umgesetzt sehen, Grüne Frauensprecherin fordert Asyl für betroffene Frauen

Wien - Anlässlich des Internationalen Tages gegen weibliche Genitalverstümmelung am 6. Februar meldete sich am Donnerstag Nationalratspräsidentin Barbara Prammer zu Wort. Sie betonte in einer Aussendung die Notwendigkeit von Information und Bildung, um dieser "entsetzlichen Tortur" ein Ende zu setzen. Auch die Frauensprecherin der Grünen Judith Schwentner machte am Donnerstag per Aussendung auf das Thema aufmerksam.

"Weibliche Genitalverstümmelung ist eine der grausamsten Arten von Gewalt gegen Frauen", stellte die Nationalratspräsidentin und SPÖ-Frauenvorsitzende in ihrer Aussendung fest. Weltweit würden jährlich zwischen zwei und drei Millionen Mädchen auf diese Weise verstümmelt, vor allem in weiten Teilen Afrikas, aber auch in vielen asiatischen Ländern und zunehmend auch in Europa. In Österreich würden Schätzungen zufolge an die 6.000 Betroffene leben, so Prammer.

Vernetztes Arbeiten

Der Kampf gegen "diese Form von körperlicher und psychischer Misshandlung" müsse an verschiedenen Stellen ansetzen, betonte Prammer in ihrem Schreiben. Strafdrohungen würden nicht ausreichen, es müsse vor allem auch Informations- und Bildungsarbeit geleistet werden. Auch wenn in Österreich bereits viel Aufklärungsarbeit erfolgt sei, dürfe die Sensibilisierung für dieses Problem keinesfalls aufhören, betonte Prammer.

Aktionsplan umsetzen

Die Nationalratspräsidentin verwies auf den im November 2008 präsentierten österreichischen Aktionsplan gegen weibliche Genitalverstümmelung. Der Plan solle zwischen 2009 und 2011 umgesetzt werden. Er sehe unter anderem vor, die Aufklärungsarbeit an Schulen und die Bewusstseinsbildung zu intensivieren und die Beratung von Opfern zu forcieren. Es solle darüber informiert werden, dass weibliche Genitalverstümmelung nach dem Sicherheitspolizeigesetz als "gefährlicher Angriff" gelte und zivilrechtliche Schadenersatzklagen gegen die Eltern möglich seien.

Fortbildungen bei pädagogischem und medizinischem Personal

Auch Judith Schwentner, Frauensprecherin der Grünen sprach sich für intensivere Sensibilisierungsarbeit aus. Sie forderte für ÄrztInnen, LehrerInnen, KindergartenpädagogInnen und SozialarbeiterInnen regelmäßig Fortbildungen anzubieten, damit diese eine mögliche Gefährdung von Mädchen rasch erkennen könnten.

"Müssen in Österreich Aufnahme finden"

Für Opfer von Genitalverstümmelung, die in Österreich leben, sollte es außerdem eine sehr gute medizinische und psychologische Betreuung geben, so Schwentner. Anstelle von Absichtserklärungen müssten der Ausbau und die langfristige finanzielle Absicherung von Beratungsstellen vorangetrieben werden, forderte die Frauensprecherin. Und: "Frauen, die vor einer drohenden Genitalverstümmelung flüchten, müssen in Österreich Aufnahme finden." (APA)

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