Rauriser Literaturtage unter dem Motto "Sprache: Lust.Spiel.Wut"

5. Februar 2009, 14:12
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Preisträgerin 2009 ist Julya Rabinowich - Radikale Sprachexperimente von 25. bis 29. März

Salzburg - "Sprache: Lust.Spiel.Wut" ist das Motto der 39. Rauriser Literaturtage von 25. bis 29 März. Autoren wie der Staatspreis- und Büchnerpreis-Träger Josef Winkler, Friedrich Achleitner, Werner Kofler, Ferdinand Schmatz, Hans Eichhorn, Max Blaeulich, Herbert J. Wimmer oder "der große Wüterich" Paul Wühr werden sich in der Pinzgauer Literatur-Gemeinde dem experimentellen, performativen und radikalen Aspekt der Sprache widmen. Die Trägerin des Rauriser Literaturpreises 2009 heißt Julya Rabinowich.

Überwiegend österreichische "Sprachanalytiker, die der linearen Abbildbarkeit von Wirklichkeit misstrauen, Spieler aus Kalkül und Lust, Wut und Obsession", hat Literaturtage-Leiterin Brita Steinwendtner für heuer eingeladen, und sie weiß, was sie ihrem Publikum zumutet: "Rauris steht für das Außergewöhnliche in der Literatur, gerade hier soll Literatur außerhalb des Mainstream Platz haben. Ich bin absolut optimistisch, dass unser Publikum dieses Experiment mittragen und mitgenießen wird."

Viele sind "kleine Sprachmusiker, die die Sprache zu Musik machen", so Steinwendtner. "Manche der Texte mögen schwer lesbar sein, aber wenn man sie auf der Bühne erlebt, dann werden sich neue Welten erschließen". Einige Lesungen werden mit Musikinstrumenten begleitet, dazu kommen "Gespräche über Kindheit", Schulprojekte, die sogenannten "Störlesungen" (Autoren gehen in alter Handwerkertradition zum Lesen auf die Bauernhöfe, Anm.) sowie eine Fotoausstellung über "die Schönheit des Vergehens" von Walter Klappacher. Den Schlusspunkt wird Lukas Resetarits setzen, der sein brandneues Kabarett-Programm unmittelbar nach der Premiere in Wien auch in Rauris präsentieren wird.

Finanziert werden die jährlich von 3.000 bis 4.000 Literaturfans besuchten Literaturtage mit 50.000 Euro von der Gemeinde Rauris, Bund, Land und Sponsoren. Auch der ORF Salzburg unterstützt dieses Literaturfestival trotz eigener Budgetkrise, wie Landesdirektor Siegbert Stronegger heute, Donnerstag, bei einer Pressekonferenz betonte: "Natürlich wird es immer schwieriger, für derartige Programme intern zu argumentieren. Aber in Rauris ist es einfach die künstlerische Qualität, die dabei hilft."

Der mit 7.500 Euro dotierte, vom Land Salzburg vergebene Hauptpreis für die beste deutschsprachige Prosa-Erstveröffentlichung geht an Julya Rabinowich. Die 1970 in St. Petersburg geborene, seit 1977 in Wien lebende Autorin ist für ihren Roman "Spaltkopf" (edition exil) ausgezeichnet worden. Die Jury hat Rabinowich wegen deren "unerbittlicher Darstellung des zarten Innenlebens eines Kindes im Exil und wegen des gnadenlosen Blicks auf ihre zerrissene Familie" ausgewählt. Der Rauriser Förderpreis (3.700 Euro) geht an den Salzburger Autor Hansjörg Zauner für seinen unveröffentlichten Prosatext zum Thema "Ein Versuch." (APA)

 

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