China ruft höchsten Notstand aus

6. Februar 2009, 13:48
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In der Hauptstadt Peking hat es seit über 100 Tagen nicht mehr geregnet. Das ist zuletzt vor 38 Jahren passiert - Vier Millionen Menschen in China brauchen Wasser

Peking - Wegen der schlimmsten Dürre seit mehr als einem halben Jahrhundert hat die chinesische Regierung für die betroffenen Regionen die höchste Notstands-Stufe ausgerufen. Außerdem sollten Experten in den Dürregebieten technische Hilfe leisten, berichteten Staatsmedien am Freitag. Die Umweltschutzorganisation WWF erklärte, die Wasserkrise in China sei menschengemacht, unter anderem durch Rodungen und Wasserverschwendung.

Die Regierung habe am Donnerstag den Notstand in den von der Dürre betroffenen Regionen von Stufe zwei auf die höchste Stufe heraufgesetzt, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag. Fachleute wurden in die Gebiete geschickt, um beim Umgang mit dem Wassermangel zu helfen, berichtete die Zeitung "China Daily". Vize-Regierungschef Hui Liangyu habe bei einer Konferenz zur Koordinierung der Hilfsmaßnahmen am Donnerstag zudem die Regionalregierungen aufgerufen, schnell effiziente Bewässerungssysteme zu errichten.

China erlebt derzeit die schwerste Dürre seit Anfang der 1950er Jahre. Am stärksten betroffen sind die Provinzen Gansu, Shaanxi, Shanxi, Henan, Hebei, Shandong und Anhui sowie die Hauptstadt Peking. Nach offiziellen Angaben leiden 4,3 Millionen Menschen und 2,1 Millionen Stück Vieh an Wassermangel. Außerdem droht die Dürre staatlichen Medienberichten zufolge 43 Prozent der Winterweizenernte zu vernichten, nachdem es in einigen Gegenden seit mindestens hundert Tagen nicht mehr geregnet hatte.

Weizenreserven

Nach Einschätzung der Beratungsfirma Beijing Orient Agribusiness könnte zwar in einigen Gebieten die Weizenernte um die Hälfte zurückgehen, aber insgesamt gesehen werde der Ausfall nur fünf Prozent betragen. Der Weizenpreis werde kaum ansteigen, zumal die Regierung über genügend Reserven verfüge.

China leidet immer wieder unter Wassermangel, in den vergangenen Jahren hat sich das Problem durch das starke Wachstum der chinesischen Wirtschaft verstärkt. Die Organisation WWF hob hervor, dass die derzeitige Dürre "vom Menschen verursacht sowie Ausdruck einer umfassenden und allgemeinen Wasserkrise im Reich der Mitte" sei.

Seit 1949 habe sich der Wasserverbrauch in China verfünffacht. "Obwohl China zu den wasserreichsten Ländern der Erde gehört, wird das Süßwasser immer knapper", erklärte WWF-Süßwasserexperte Martin Geiger. Dieses Problem werde bald "Hunderte Millionen Menschen in ihrer Existenz bedrohen". Zu dem Versorgungsproblem tragen demnach schlecht geplante Staudämme, veraltete Bewässerungssysteme sowie die Zerstörung von Wäldern bei. (APA)

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    In der zentralchinesischen Provinz Henan ist die Dürre die schlimmste seit mehr als fünf Jahrzehnten. 63 Prozent der Getreidefelder sind dort betroffen

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