Trichet gegen Nullzinspolitik

5. Februar 2009, 16:11
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Die Zentralbank legt eine Zinspause ein, im März dürfte der EZB-Leitzins auf Rekordniveau sinken

Frankfurt - Die EZB hat die Tür für eine Leitzinssenkung im März weit geöffnet. Einer Nullzinspolitik nach US-Vorbild im Kampf gegen die Rezession erteilte die Notenbank erneut eine klare Absage. Eine Zinssenkung im kommenden Monat sei möglich, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt. "Wir bestätigen, dass zwei Prozent nicht das niedrigste Niveau ist." Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins für die Euro-Zone wie erwartet bei 2,00 Prozent belassen, nach vier Zinssenkungen in Folge seit Oktober. Niedriger als 2,00 Prozent lag der Leitzins in der rund zehnjährigen Geschichte der Währungsunion noch nie.

Kritik an Entscheidung

Trichet hatte die "Zinspause" vergangenen Monat angekündigt. Kritik kam vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), der die EZB-Politik angesichts der Krise in der Realwirtschaft als "fahrlässig" bezeichnete. Wie groß der Zinsschritt nach unten im März ausfallen könnte, ließ sich Trichet bei der Pressekonferenz im Anschluss an die Zinsentscheidung nicht entlocken. Die EZB werde auf Basis der bis dahin neu verfügbaren Informationen die angemessene Entscheidung treffen. Im März kann sich der EZB-Rat auch auf neue Prognosen der EZB-eigenen Volkswirte stützen.

Trichet machte zugleich unmissverständlich klar, dass er die Leitzinsen in den kommenden Monaten nicht so tief senken will wie US-Notenbankchef Ben Bernanke. Ein Zinsniveau von 0 Prozent sei aus seiner Sicht "nicht angemessen", bekräftigte Trichet. Bernanke hatte im Dezember den Leitzins auf faktisch 0 Prozent reduziert und versucht nun, die taumelnde US-Wirtschaft mit unkonventionellen Maßnahmen zu stabilisieren.

Ungewöhnliche Mittel nicht ausgeschlossen

Auch Trichet wollte erneut nicht ausschließen, dass die EZB falls nötig, zu ungewöhnlichen geldpolitischen Mitteln im Kampf gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise greifen könnte. Dies sei aber auch schon möglich, bevor ein extrem niedriges Leitzinsniveau erreicht sei, erklärte Trichet. Zentralbanken können, wenn der Leitzins als Waffe anfängt, stumpf zu werden, auch mit anderen Mitteln die Wirtschaft stützen. Dazu kaufen sie beispielsweise von Unternehmen oder Ländern ausgegebene Anleihen und pumpen auf diese Weise Geld in den Wirtschaftskreislauf. Die US-Notenbank hatte zuletzt angekündigt, dass sie bereit sei, Staatsanleihen zu kaufen.

Im Gegensatz zur Fed oder der Bank von Japan hat die EZB beim Leitzins aber noch großen Spielraum. Sie hat den Leitzins zwar seit Oktober in mehreren Schritten von 4,25 auf 2,0 Prozent gesenkt, ihre Geldpolitik damit jedoch keineswegs so aggressiv gelockert wie andere Zentralbanken. Vor der EZB hatte zu Mittag in London die Bank of England den Leitzins für Großbritannien wie erwartet um 50 Basispunkte auf das historische Tief von 1 Prozent gekappt. Die britische Notenbank hatte zuletzt bereits angekündigt, bestimmte Unternehmensanleihen kaufen zu wollen, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Japans Zentralbank hatte kürzlich den Banken des Landes Aktien für umgerechnet 9 Mrd. Euro abgekauft, um ihre Bilanzen zu entlasten. (APA/Reuters)

 

 

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