Vorteil für Mutige

5. Februar 2009, 13:45
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Sieg in Super-Kombi führt wohl über die Abfahrt, die "einem alles abverlangt" - Kathrin Zettel mit Außenseiter-Chancen

Val d'Isere - Die anspruchsvolle "Piste Rhones-Alpes" in Val d'Isere macht es möglich, dass erstmals seit langem eine Super-Kombination nicht unbedingt nur über den Slalomdurchgang entschieden wird. Nur wer die technische Abfahrt gut meistert, wird am Ende eine Chance auf eine WM-Medaille haben. Dessen sind sich auch Kathrin Zettel, Michaela Kirchgasser, Elisabeth Görgl und Anna Fenninger bewusst, die am Freitag für Österreich am Start sein werden (11.00 Uhr Abfahrt/14.00 Uhr Slalom/live ORF1).

Die US-Amerikanerin Lindsey Vonn ist ob der Trainingsleistung in der Abfahrt die Top-Favoritin. Titelverteidigerin Anja Pärson aus Schweden (kam im Abfahrtstraining allerdings nicht zurecht) und die Deutsche Maria Riesch (nach dem Trainingssturz am Mittwoch mit geschrumpften Erwartungen) darf man aber wie die vorwiegend aus dem Technikbereich kommenden ÖSV-Läuferinnen nicht unbeachtet lassen. "Auf dieser Strecke können unsere eine gute Figur machen", sagte ÖSV-Damencheftrainer Herbert Mandl. Der Slalom wird auf dem Schlusshang der Abfahrt ausgetragen und verspricht, ebenfalls schwierig zu werden, was wiederum den Slalom-Spezialistinnen einen Vorteil bringen sollte.

Die guten Abfahrts-Trainingsleistungen von Zettel, die sich zur gefährlichen Außenseiterin gemausert hat, haben Mandl nicht überrascht. "Ich habe mir gedacht, dass sie das auf Anhieb im Griff haben wird. Die stark drehenden Passagen liegen ihr, sie kann gut Kurven fahren. Was bei ihr dazukommt, ist, dass sie Mut hat und vor nichts zurückschreckt. Das ist vor allem auf dieser Strecke wichtig, sobald man hier zu passiv unterwegs ist, ist man nur noch Passagier."

Die Niederösterreicherin, zuletzt in der Super-Kombi in Zauchensee Zweite, sprach von einem "irrsinnig kräfteraubenden" Unterfangen. "Sie ist brutal schwer. Sprünge, Schrägfahrten, eine 180-Grad-Kurve. Da wird einem alles abverlangt. Es sind keine Gleitstücke drinnen, es ist also keine Zeit zum Ausrasten. Ich tue mir teilweise schwer, weil ich keine Abfahrerin bin und wenig Erfahrung in dem Bereich habe", sagte Zettel, die die Super-Kombi, die erst zum zweiten Mal bei der WM stattfindet, durchaus reizvoll findet. "Sie hat irgendwas, es macht wirklich einen sehr guten Skifahrer aus. Wer das Schnelle und das Langsame fahren kann, ist der perfekte Allrounder. Das ist eine gewisse Auszeichnung."

Eine gute Abfahrt sei bei der Super-Kombi in Val d'Isere Grundvoraussetzung für einen Erfolg. "Man muss im Training schauen, mit wieviel Risiko und Hirn man dann im Rennen fahren muss. Bei mir hängt viel von der Abfahrt ab. Ich hoffe, dass ich sie wie in Zauchensee erwische, dann ist was möglich. Es steht und fällt mit der Abfahrt. Im Slalom kann man nie so gut fahren, dass man zwei, drei Sekunden aufholt", weiß Zettel. Nicht mehr als ein oder eineinhalb Sekunden dürfe sie deshalb in der Abfahrt auf die Topläuferinnen verlieren.

Anna Fenninger, die im Super-G als Vierte eine Medaille knapp verpasst hat, kommt am Freitag zu ihrem zweiten WM-Einsatz. "Platzierungsmäßig habe ich keine Erwartungen, ich versuche zwei gute Läufe zu haben, die du in der Kombi brauchst. Wenn mir bei der WM eine Medaille vergönnt ist, ist sie mir vergönnt. Wenn ich viermal Vierte werde, dann passt es auch", sagte die 19-jährige Salzburgerin, die sich nicht unter Druck setzen will. Auch Görgl, die um Super-G Sechste war, sieht die Abfahrt als Kriterium. "Aber wenn du einen Fehler machst und dann weiterkämpfst, dann kannst du trotzdem noch vorne mit dabeisein", sagte die gebürtige Steirerin.

"Ein Wörtchen mitreden" will Kirchgasser, die von einer "untypischen Situation" sprach, denn dieses Mal werde die Kombination nicht im Slalom, sondern in der Abfahrt entschieden. "Die Abfahrt ist viel Arbeit, da musst du von oben weg kämpfen und dich überwinden. Es ist die schwierigste Abfahrt, die ich jemals gefahren bin, da ist alles drinnen. Und sie haben sie extra noch ein bisserl schlagiger gemacht."

Ein Problem mit dieser Art der Abfahrt habe sie nicht, für die Super-Kombi sieht sie das positiv: "Wenn so schwierige Sachen dabei sind, ist die Super-Kombi schon sehr interessant. Ich mag Abfahrten, bei denen es nicht vom Start weg in der Hocke durchgeht. Ich finde es da herunter lässig", sprach die Rennläuferin mit dem glitzernden Milka-Helm. (APA)

 

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    Elisabeth Görgl, Kathrin Zettel, Anna Fenninger und Michaela Kirchgasser.

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