Junge an die Urnen

5. Februar 2009, 13:20
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"Wählen mit 16" - Damit ist Österreich auch bei den EU-Wahlen Vorreiter - Wie man die Jugend mit Facebook, Wettbewerben und coolen Sprüchen mobilisieren will

Am 7. Juni wird das Europaparlament neu gewählt. Dabei ist Österreich das erste und einzige Land, in dem WählerInnen schon ab 16 ihre Stimme abgeben dürfen. Die Senkung des Wahlalters macht auch eine andere Informationspolitik über Europa und die Wahlen notwendig.

Prinzipiell sind Österreichs Jugendliche der EU gegenüber positiv eingestellt. Das zeigt eine aktuelle Jugendstudie (derStandard.at berichtete). So wird die Möglichkeit in anderen Ländern zu arbeiten oder zu studieren von 83 Prozent der jungen Menschen besonders geschätzt. Lediglich sechs Prozent der Befragten bezeichneten sich als Anti-Europäer. 

Wahlbeteiligung stark gesunken

Im Allgemeinen beteiligten sich in den letzten Jahren immer weniger Menschen an den EU-Wahlen. Nur etwa 42,4  Prozent der ÖsterreicherInnen gaben 2004 ihre Stimme ab. 1999 waren es noch über 49 Prozent, 1996 wählten sogar noch 67,7 Prozent. Der Europaweite Durschschnitt lag 2004 bei knapp über 45 Prozent - ein historischer Tiefstand. Zum Vergleich: Bei den letzten Nationalratswahlen gaben 78, 8 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab.

Filmen statt "Goschn halten".

Deshalb haben die Sozialpartner auf Initiative der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) das Projekt "Film it!" gestartet. Dafür sollen Jugendliche bis Ende März eigene Filme zum Thema Europa drehen. Auf der Website www.film-it.at kann über die Einreichungen abgestimmt werden. Die Ersten gewinnen etwa 1.000 Euro in bar, einen Video-Workshop sowie eine Reise nach Brüssel. "Mit euren Clips könntet ihr Vorurteile all jener, denen es lieber wäre, ihr würdet die ‚Goschn halten' auf die Schaufel nehmen", werden 15- bis  25-Jährige aufgerufen. Profifilme können ebenso eingereicht werden, wie Handy-Clips.  "Es geht uns nicht um die Qualität, vielmehr um die Inhalte", sagt  Jürgen Michlmayr, Vorsitzender der ÖGJ. Auch eine EU-kritische Auseinandersetzung sei erwünscht.

Veit Sorger will Kritik

"Je kritischer, desto besser", schließlich wolle man die Anliegen der Jugendlichen verstehen, sagte Veit Sorger, Präsident der Industriellenvereinigung, bei der Vorstellung des Projektes. Es sollen "möglichst viele Jugendliche" zur Wahl aufgerufen werden, so Michlmayr. Wobei man bei der Präsentation sichtlich bemüht war, jugendgerecht zu kommunizieren. "Die Leute sollen teilnehmen, weil es fun ist und cool ist", sagte der designierte ÖGB-Präsident Erich Foglar.

Facebook und billigere SMS

Nicht nur die Sozialpartner, sondern auch das Europäische Parlament selbst macht sich darüber Gedanken, wie die junge Wählerschaft mobilisiert werden kann. Das Informationsbüro für Österreich hat etwa auf Facebook ein eigenes Profil eingerichtet und sich mit fast 600 FreundInnen vernetzt. "Wir müssen der Jugend bewusst machen, dass es nicht egal ist, wer im Parlament sitzt", sagt Wolfgang Hiller, Leiter des Informationsbüros in Österreich. In den Schulen will man mit Wanderausstellungen über die EU informieren. Auch Politische Bildung sei gefordert. "Für die Jungen ist Europa selbstverständlicher als für die Älteren", so Hiller. Man wisse nur zu wenig, wie die EU in das tägliche Leben eingreift. Deshalb werde eine Verbraucherschutzkampagne gestartet, die unter anderem auch deutlich machen soll, dass Dank EU das Telefonieren und Versenden von SMS europaweit günstiger ist. Mit dem Slogan "Europawahl - Deine Entscheidung", soll zudem verstärkt die Jugend angesprochen werden.

Begeisterung in der Krise

Die Leute dürften nicht überfordert werden, so wie sich das etwa bei der Diskussion um die Europäische Verfassung gezeigt habe, so Hiller. "Warum muss der Einzelne Details der europäischen Verfassung wissen, wenn man die selben Details auch über die Österreichische Verfassung nicht weiß?" Dass die Wirtschaftskrise der Europa-Idee zu Gute kommt, glaubt Hiller. "Menschen schätzen es in Krisenzeiten, wenn sie wissen, dass eine Gemeinschaft zusammenhält". Die positivere Einstellung könne sich aber auch bald wieder umkehren, nämlich dann, "wenn die Politik die falschen Antworten auf die Krise gibt". (burg/derStandard.at, 5. Feber 2009)

 

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