Rouillan bleibt hinter Gittern

7. Februar 2009, 17:13
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Pariser Strafvollzugsrichter lehnt Antrag des ehemaligen Linksextremisten auf bedingte Freilassung ab

Paris - Der ehemalige Linksterrorist Jean-Marc Rouillan, Mitbegründer der französischen "Action Directe", muss im Gefängnis bleiben. Ein Pariser Strafvollzugsrichter hat am Mittwoch einen Antrag des 56-Jährigen auf bedingte Freilassung abgelehnt, zumal die "gesetzlichen Voraussetzungen nicht erfüllt" seien. Rouillan genoss seit Ende 2007 eine Hafterleichterung, die es ihm erlaubte, tagsüber in einem Verlag zu arbeiten. Diese wurde allerdings im vergangenen Oktober rückgängig gemacht, weil er sich in einem Interview über seine terroristische Vergangenheit geäußert hatte.

Der Strafvollzugsrichter erklärte in seinem Urteil, dass Antragsteller vor dem Zugeständnis der bedingten Freiheit mindestens ein Jahr lang im Genuss einer Hafterleichterung sein müssen. Zumal jene Rouillans im vergangenen Oktober rückgängig gemacht wurde, könne er sie nun nicht beantragen. Die Entscheidung folgte demnach den Forderungen der Staatsanwaltschaft, welche forderte, dass Rouillan zunächst wieder eine Hafterleichterung und erst danach eine bedingte Freilassung beantrage.

Schweigepflicht

Gegenüber dem Wochenmagazin "L'Express" hatte Rouillan in Bezug auf die Ermordung des Renault-Geschäftsführers Georges Besse im Jahr 1986 gesagt: "Ich habe nicht das Recht, darüber zu sprechen ... Aber die Tatsache, dass ich mich nicht äußere, ist eine Antwort. Denn es ist offensichtlich, dass ich mich äußern könnte, wenn ich auf all das, was wir damals gemacht haben, spucken würde. Aber durch diese Schweigepflicht hindert man uns auch daran, aus unserer Erfahrung eine wahre kritische Bilanz zu ziehen."

Rouillan war mit Joelle Aubron, Georges Cipriani und Nathalie Menigon im Februar 1987 auf einem Bauernhof in der Nähe von Orleans nach einer riesigen Fahndungswelle festgenommen und zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Sie wurden der Ermordung von Besse und jener des französischen Generals Rene Audran im Jahr 1985 für schuldig befunden.

Aubron starb im März 2006 im Alter von 46 Jahren an Lungenkrebs. Sie war im Juni 2004 aufgrund ihrer tödlichen Erkrankung als erstes der vier AD-Gründungsmitglieder auf freien Fuß gesetzt worden. Menigon, die nach zwei Schlaganfällen halbseitig gelähmt ist, arbeitet seit vergangenem August tagsüber. Ein Entlassungsantrag des 57-jährigen Cipriani, der im elsässischen Ensisheim inhaftiert und psychisch erkrankt ist, wurde zuletzt 2005 abgelehnt. (APA)

 

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    Jean-Marc Rouillan

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